Viel Arbeit und die Rolle im Mittelpunkt sind für Nikola Vasilj am Samstag beim Gastspiel in München gewiss. Zuletzt hatte diese der Keeper des FC St. Pauli schon häufiger als ihm lieb war. Und sie war nicht immer positiv besetzt.
St. Paulis Keeper steht in München vor besonderer Aufgabe
Der so stark gestartete und rasant abgestürzte Vorjahres-Aufsteiger übt sich in diesen Wochen in kleinen Schritten, über eine stabile Defensive soll wieder Sicherheit erlangt werden. Vor diesem Hintergrund war das 0:1 am vergangenen Sonntag gegen den 1. FC Union auch für Nikola Vasilj ein, wenn auch kleiner, Fortschritt. Dreimal in Folge hatte er zuvor jeweils St. Paulis 0:1 verschuldet, gegen die Köpenicker war er schuldlos und erstmals wieder stabil.
„Ich trage viel Verantwortung und schreibe mir diese auch zu“
In der Vorsaison ein Garant für den Klassenerhalt, war der Bosnier auch in die laufende Spielzeit mit herausragenden Leistungen gestartet, hatte wochenlang das Ranking der besten Torhüter nach kicker-Noten angeführt, ehe eine fast unheimliche Serie begann: Nacheinander patzte er bei den jeweils ersten Gegentoren in Frankfurt (0:2), gegen Mönchengladbach (0:4) und in Freiburg (1:2). Er bekennt selbstkritisch: „Ich trage viel Verantwortung und schreibe mir diese auch zu. Ich wusste immer, dass solche Spiele und solche Fehler kommen können, sie kamen in diesen Spielen aber für uns im vielleicht schlechtesten Moment, in einer entscheidenden Phase. Weil sie immer das 0:1 bedeutet haben.“
Beim Trainer und den Teamkollegen genießt Vasilj trotz der Fehler weiterhin großen Rückhalt, immer wieder betonen Alexander Blessin und die Führungsspieler um Hauke Wahl, „wie oft Niko uns schon gerettet hat“. Ist das auch in München möglich, wenn der mit acht Niederlagen in Folge amtierende Krisen-Klub der Liga zur scheinbaren Übermacht muss? „Angst habe ich wirklich nicht“, versichert der 29-Jährige, wohl wissend, dass es beim FC Bayern für ein außergewöhnliches Resultat einer außergewöhnlichen Torwartleistung bedarf. „Wir müssen den Mut haben, mit Intensität unser Spiel zu machen, weil es nichts zu verlieren gibt.“
Helfen soll laut Vasilj auch die Erinnerung. „In der vergangenen Saison hatten wir zwei gute Spiele gegen Bayern“, sagt er. 0:1 und 2:3 verlor St. Pauli 2024/25 – und lieferte Zeugnisse absoluter Stabilität ab. Genau diese fehlt derzeit, und die bosnische Nummer 1 gesteht: „Eine solche Phase mit acht Niederlagen in Folge hatte ich noch nie. Es ist sehr viel und nicht nur für mich eine große Herausforderung.“ Die Frage, wie es dazu kommen konnte, ist die meistgestellte, auch an Vasilj selbst: „Wir werden immer wieder gefragt: Wie konntet ihr in den ersten drei Spielen so gut spielen und was ist danach passiert?“ In seinen Erklärungsansätzen bleibt der Schlussmann im Ungefähren: „Fußball ist manchmal so und mitunter schwierig zu erklären.“
„Ich bin immer noch überzeugt, dass wir ausreichend Qualität haben“
Der Glaube an ein Entkommen aus der tiefen Krise existiert bei Vasilj unverändert, die jüngsten knappen Niederlagen in Freiburg und gegen Union wertet er als Fortschritt. „Ich würde sagen, in den letzten beiden Spielen habe ich eine Verbesserung gesehen. Ich bin immer noch überzeugt, dass wir ausreichend Qualität haben und aus dieser Situation wieder herauskommen werden. Wir haben noch Spiele vor uns, die uns noch viel bringen können.“ Er denkt während dieser Worte vermutlich weniger an München, auch am Wochenende danach geht es nochmals auf Reisen, zum 1. FC Köln. Dann aber geht es in der Liga nacheinander gegen Heidenheim und zu Mainz 05. Duelle mit Tabellennachbarn, in denen die Wende gelingen muss, um Vasiljs Worte mit Leben zu füllen: „Ich glaube wirklich daran, dass wir das Gleiche wie in der letzten Saison erreichen können.“

