Rettet Dieter Hecking den stark abstiegsbedrohten VfL Wolfsburg? Davon ist sein Ex-Spieler Christoph Kramer überzeugt. Der Weltmeister liefert interessante Ansichten über seinen ehemaligen Trainer.
Der Ex-Profi würde Geld auf Wolfsburg setzen
Ist der VfL Wolfsburg noch zu retten? Grundsätzlich hat Christoph Kramer da seine Zweifel. Der Weltmeister spricht im Podcast COPA TS zwar von einer „richtig guten Bundesliga-Doppelsechs“ mit Yannick Gerhardt und Maximilian Arnold, glaubt aber: „Sonst ist dieser Kader nicht so gut.“ Der große Hoffnungsträger sitzt beim Tabellensiebzehnten für den Ex-Profi auf der Bank: Trainer Dieter Hecking. „Der“, ist sich Kramer sicher, „schafft es. Da würde ich Geld drauf setzen.“
Kramer über Hecking: „Eine natürliche Autorität“
Insgesamt 63 Spiele hat der 35-Jährige zwischen 2017 und 2019 im Trikot von Borussia Mönchengladbach unter Hecking gemacht, Kramer weiß also, wovon er spricht, wenn er sagt: „Er ist ein Trainer, den kannst du länger nehmen, aber er hat auch sehr gute Feuerwehrmann-Qualitäten. Er macht nichts Besonderes, aber alleine wie er aussieht, da hast du schon Respekt vor ihm. Eine natürliche Autorität. Er kriegt es hin, dass er eine Mannschaft emotional packt.“
Das 1:1 bei der TSG Hoffenheim am vergangenen Wochenende beim Hecking-Debüt auf der Wolfsburger Bank war zumindest ein Lebenszeichen nach zuvor drei Niederlagen in Serie, die zur Entlassung von Daniel Bauer geführt haben. Was zeichnet Hecking noch aus? „Seine beste Qualität ist es“, erklärt Kramer, „dass er immer seine beste Elf spielen lässt, auch mal auf Positionen umschiebt. Er ist fair, hat eine vernünftige Ansprache, auch mal mit einem Witz dazwischen, den man ihm nicht so zutraut, wenn man ihn sieht.“
„Er hatte häufig ein kariertes Hemd an, und das in der Hose. Und so einen alten Gürtel, den man auch nur bekommt, wenn man in den Achtzigern mal Vater geworden ist.“ (Christoph Kramer über den Kleidungsstil von Trainer Dieter Hecking)
Heckings Optik umschreibt sein ehemaliger Spieler so: „Wenn er morgens in die Kabine kommt, da hatte er bei uns häufig ein kariertes Hemd an, und das in der Hose. Und so einen alten Gürtel, den man auch nur bekommt, wenn man in den Achtzigern mal Vater geworden ist.“ Gleichwohl hat er vor dem Fußballlehrer, 61 Jahre alt und Vater von fünf Kindern, größten Respekt – und immer noch einen regelmäßigen Austausch. „Ich mag ihn unheimlich gerne, er ist einer der wenigen, mit denen ich noch regelmäßig vernünftigen Kontakt habe.“
Nicht nur Hecking kommt bei Kramer gut weg, sondern auch Assistent Frank Geideck, den der frühere Fußballer, der gerade selbst seine Trainerausbildung macht, ebenfalls aus der gemeinsamen Zeit in Mönchengladbach kennt. Der 58-Jährige wirke wie ein „Erdkundelehrer“, der beim Ex-Profi hoch angesehen ist: „Er ist ein sehr guter Co-Trainer, der beste, den ich in meiner Karriere hatte.“
Kramer nach Wolfsburg? „Ich hätte es gerne gemacht“
Auch Kramer hätte sich durchaus vorstellen können, Hecking beim VfL zu assistieren. „Ich hätte es auch gerne gemacht“, sagt er, „aber Wolfsburg ist auch nicht im Westen.“ Der gebürtige Solinger hätte sich zudem womöglich in einen Gewissenskonflikt begeben, ist die Hecking-Mannschaft doch direkter Konkurrent von Borussia Mönchengladbach im Kampf um den Klassenerhalt – am 31. Spieltag treffen der VfL und der VfL aufeinander.

