Durch jeweils zwei Treffer in der Nachspielzeit fuhren der FC Bayern und Borussia Dortmund am vergangenen Spieltag erst spät ihre Siege ein – und trugen so maßgeblich zur Einstellung eines Bundesliga-Rekords bei. Der saisonübergreifende Höchstwert dürfte damit schon bald geknackt werden.
Wolfsburg vor Negativ-Rekord
Die WM 2022 legte den Grundstein. Seit dem Kontinentalturnier in Katar, bei dem auffallend lange Nachspielzeiten jenseits der zehn Minuten in den ersten Spielen an der Tagesordnung waren, trägt auch die Bundesliga den durch VAR-Checks und Behandlungspausen zunehmenden Unterbrechungen während der regulären 90 Minuten eines Fußballspiels Rechnung. Vor Beginn dieser Saison wurde gar extra eine Richtlinie beschlossen, die bei etwa bei einem Tor oder einer Auswechslung eine pauschale Verlängerung um 30 Sekunden vorsieht.
Man muss kein studierter Mathematiker sein, um zu wissen: Wird länger nachgespielt, erhöht sich auch die Wahrscheinlichkeit, dass in dieser Zeit noch ein Treffer fällt – gerade wenn eine Mannschaft unbedingt punkten will. Wie etwa die Bayern am vergangenen Wochenende in Freiburg. Durch Tom Bischof (90.+2) und Lennart Karl (90.+9) stach der Rekordmeister nach Anzeige der zusätzlichen Minuten gar doppelt zu und bog so das zwischenzeitliche 1:2 noch in einen 3:2-Auswärtssieg um.
Borussia Dortmund dagegen machte während der regulären Spieldauer beim VfB keine Anstalten, unbedingt drei Zähler aus Stuttgart mitnehmen zu wollen. Mit Karim Adeyemi (90.+4) und Julian Brandt (90.+6) konnte allerdings auch der Tabellenzweite an diesem 28. Spieltag mit gleich zwei Torschützen nach der 90. Minute aufwarten.
Rechnet man zu diesen vier Toren noch die von Bremen-Stürmer Salim Musah (90.+4) und Leverkusens Malik Tillman (90.+6) hinzu, ergibt dies gleich sechs Treffer in der Nachspielzeit an einem Wochenende – und somit einen eingestellten Bundesliga-Rekord. Nur am 11. Spieltag 2019/20 sowie am 12. Spieltag der aktuellen Saison fielen ebenso viele Treffer nach Ablauf der 90. Minute. Neu war diesmal, dass alle sechs Tore auch am selben Kalendertag, dem Samstag, erzielt worden waren.
An den Samstagen der anderen beiden genannten Spieltage zappelte der Ball dagegen „nur“ drei- bzw. viermal in der Nachspielzeit im Netz, wobei in Runde zwölf der aktuellen Saison den FC St. Pauli ein ähnliches Schicksal wie nun Freiburg ereilte. Luis Diaz (90.+3) und Nicolas Jackson (90.+6) machten gegen den Kiezklub aus einem 1:1 noch ein 3:1 für den FC Bayern. Parallel schrammte Heidenheim knapp an einem weiteren Nachspielzeit-Doppelpack vorbei. Stefan Schimmers Ausgleich bei Union Berlin fiel Sekunden vor Anbruch der Nachspielzeit, in der Jan Schöppner noch den 2:1-Siegtreffer markierte (90.+5).
Für die laufende Saison ist derweil auch eine Spieltags-übergreifende Bestmarke nicht mehr weit entfernt. Insgesamt stehen nach den 252 Partien schon 62 Tore in der Nachspielzeit zu Buche, im Schnitt fällt also fast in jeder vierten Begegnung ein Tor nach Ablauf der regulären Spielzeit. Mehr waren es nur in den Saisons 2022/23 und 2023/24 mit jeweils 64 – in 306 Duellen.
Wolfsburg droht Negativrekord
Gut möglich, dass schon mit dem nächsten Last-Minute-Tor auch ein Negativrekord eingestellt wird. Leverkusens letzter Treffer beim 6:3 am Osterwochenende war gleichbedeutend mit dem siebten Gegentor in der Nachspielzeit für den VfL Wolfsburg. Mehr kassierte lediglich Bochum 2023/24 mit acht, hielt über den Umweg Relegation aber dennoch die Klasse.
Während Tillmans Jokertor sowie Nikolas Narteys 4:0 für Stuttgart (90.+5) ohne große Folgen für die Wölfe blieb, kosteten die übrigen fünf Gegentreffer insgesamt sechs Punkte – mit denen der 17. der Tabelle über dem Strich rangieren würde. Gleich zweimal einen späten Ausgleich kassierte man am 3. Spieltag gegen Köln, als erst Isak Johannesson zum 2:2 (90.+1), und nach Maximilian Arnolds direkt verwandeltem Freistoß (90.+9) Jakub Kaminski zum 3:3 (90.+14) trafen.
Einen weiteren Sieg verhinderte Frankfurts Michy Batshuayi vom Punkt (90.+6), dazu sorgten Samuel Mbangula (90.+4) von Werder und der Ex-Wolf Elvis Rexhbecaj (90.+3, für Augsburg) mit ihren späten Toren für eine Wolfsburger Niederlage.

