Auf der Trainerbank herrscht nun Klarheit, doch im Kader des 1. FC Köln wird sich einiges tun. Eine große Baustelle ist das defensive Mittelfeld.
Großbaustelle Doppelsechs
Als sich René Wagner am Mittwoch gemeinsam mit Thomas Kessler den Kölner Journalisten offiziell vorstellte, gab es nur eine News. Cenk Özkacar bleibt nicht beim 1. FC Köln, alles Weitere ist noch unsicher so kurz nach der Saison. Der Sport-Geschäftsführer Kessler umriss grob aber auch, für welche Positionen er sucht. Er nannte die Innenverteidigung, die Position des Linksverteidigers, die Offensive – und die Sechs. „Wir werden auf jeden Fall auch im zentralen Mittelfeld zusehen, dass wir etwas machen“, kündigte Kessler an.
Für Huseinbasic sieht es schlecht aus
Eine schon seit dem Winter bestehende, aber spätestens nach dem Abgang von Eric Martel akute Problemstelle. Der 24-jährige Abräumer, der unter Wagner im Saisonendspurt gesetzt war und lediglich die Partie gegen Heidenheim (1:3) verpasste, schließt sich ablösefrei Mainz 05 an – und reißt damit eine weitere Lücke auf der auch von Wagner zuletzt genutzten Doppelsechs. Dort stehen mit Tom Krauß, der nach seiner Leihe wiederum fest aus Mainz kommt, Isak Bergmann Johannesson und Denis Huseinbasic aktuell nur drei Spieler für die nächste Saison unter Vertrag.
Bis auf Johannesson waren die verbleibenden Sechser-Optionen für Wagner in seinen ersten sieben Spielen allerdings maximal zweite Wahl. Krauß, der sich unter Kwasniok zum Stammspieler vorgearbeitet hatte, durfte unter Wagner nur noch dreimal beginnen, zweimal in Abwesenheit von Martel, einmal von Johannesson. Hinzu kommt ein Kurzeinsatz gegen Bremen (3:1), zwei Partien, in denen er die vollen 90 Minuten auf der Bank saß, und das Spiel in München (1:5), das er angeschlagen verpasste. Huseinbasic startete zwar bei Wagners Debüt, erhielt anschließend aber keine Minute mehr und wurde dreimal gar nicht erst in den Spieltagskader aufgenommen. Entsprechend stehen die Zeichen beim 24-Jährigen auf Abschied. Und dieser würde den Bedarf im Zentrum noch weiter erhöhen.
Hinzu kommt der vom FC Bayern ausgeliehene Felipe Chavez, für den die Kölner eine Kaufoption knapp unterhalb von fünf Millionen Euro besitzen. Die Option läuft am 31. Mai ab, wie Sky berichtet, haben die Kölner entschieden, sie nicht wahrzunehmen. Falls doch, hätten die Münchner eine Rückkaufoption für etwa die doppelte Summe. Der 19-Jährige, den Wagner dreimal von der Bank brachte, wäre jedoch eine Verpflichtung mit Blick auf die Zukunft und wohl keine der Lösungen, die die Baustellen in der Zentrale sofort beheben könnten.
Es könnten zwei neue Sechser kommen
Die Partien unter Wagner machten weiter deutlich, dass es dem Kölner Spiel sowohl an spielerischer Qualität als auch an Widerstandsfähigkeit mangelt. Zwei Eigenschaften, die auch aus dem Kern der Mannschaft, dem defensiven Mittelfeld, kommen müssen. Johannesson konnte im Schlussspurt lediglich beim Heimsieg über Bremen der Partie seinen Stempel aufdrücken, schaffte es ansonsten nicht, das Kölner Spiel zu lenken, und musste in München einem zusätzlichen Innenverteidiger weichen. Martel, der Mann fürs Grobe neben ihm, konnte etwa in Berlin nicht dabei helfen, die Mannschaft zusammenzuhalten und das 2:0 gegen Union nach Hause zu fahren (2:2).
Das muss in der neuen Saison anders aussehen. Und zwar nicht zuletzt mit neuen Gesichtern. Martels Ersatz soll neben Abräumer-Qualitäten auch Stärken am Ball mitbringen. Zudem könnte ein neuer Spielgestalter als Konkurrent für Johannesson kommen. Wagner erhält dabei erstmals als Cheftrainer die Chance, den Kader nach seiner Idee mitzugestalten.

