Nach fast genau zwei Jahren muss der FC Bayern die Tabellenführung wieder abgeben. Das 0:0 auf Schalke kann auch Positives bewirken.
Die Gründe für das Remis auf Schalke
Es wird in der Geschichte des FC Bayern schon frustrierte Reaktionen auf ein 0:0 bei einem Aufsteiger gegeben haben als jene von Vincent Kompany am Samstagabend. Lächelnd und schnackend schunkelte der Bayern-Trainer mit seinem Pendant Miron Muslic durch die Katakomben der Arena auf Schalke und tauschte sich vor der finalen Pressekonferenz ein weiteres Mal eifrig aus. Worüber genau, bleibt natürlich Betriebsgeheimnis, aber vielleicht klopften sich beide ja auch gegenseitig auf die Schulter.
Das torlose Remis beim FC Schalke beendete für die Bayern jedenfalls gleich zwei beeindruckende Serien: Erstmals seit der Klub-WM und 58 Pflichtspielen in Folge blieben sie ohne eigenen Torerfolg, wodurch der Rekordmeister nun auch erstmals seit September 2024 nicht mehr Tabellenführer der Bundesliga ist. Damals, als Kompany gerade erst angefangen hatte, war Muslic noch Trainer in Belgien bei Cercle Brügge. Und die Bayern im Begriff, eine offensive Pressingmaschine zu formen.
Diese Maschine läuft auch in der gerade erst angefangenen Saison schon auf Hochtouren, und selbst am Samstag tat sie das, obwohl am Ende kein Erfolgserlebnis dabei heraussprang. Paradox? Geht so. „Wenn ich es jetzt ganz plump sagen kann: Wir haben heute kein Tor geschossen“, fasste Sportdirektor Max Eberl zusammen. „Die Chancen waren da.“ Waren sie wirklich, vor allem Luis Diaz vergab zweimal relativ kläglich frei vorm Tor.
„Da fressen sie Mannschaften auf.“ (Schalke-Trainer Miron Muslic über das Gegenpressing der Bayern)
Bei den so überaus torhungrigen Bayern schlich sich dieses Mal tatsächlich eine gewisse Fahrlässigkeit ein, vielleicht sogar ein ganz kleiner Hauch Laissez-faire, auch wenn das in München natürlich jeder zwingend abstreiten würde. „Wir haben es im Strafraum zu kompliziert gemacht“, gab Eberl immerhin zu. Ob es mit Harry Kane und Michael Olise von Beginn an anders ausgesehen hätte? Müßig, immerhin brauchen die späten Urlaubsrückkehrer nach ihren Raketenstarts irgendwann gewisse Pausen.
Sorgen muss sich beim Rekordmeister trotz dieses Rückschlags auf Schalke erstmal keiner machen, dafür war der Vortrag bis zum letzten Pass eigentlich zu einseitig. Interessant ist nämlich, was der Schalker Trainer Muslic später erklärte, nachdem seine Mannschaft sich diesen Punkt verteidigt und erkämpft hatte. „Für mich waren heute die gefährlichsten Momente, als wir den Ball erobert haben, weil sie unfassbar sind im Gegenpressing. Da fressen sie Mannschaften auf.“
Gegen Bodö sollten Kane und Olise zurückkehren
Interessant ist das deshalb, weil der Osnabrück-Trainer Timo Schultz drei Tage zuvor nach dem Pokalspiel fast exakt das gleiche gesagt hatte: „Die gefährlichsten Situationen sind gar nicht mal dann, wenn du geordnet verteidigen kannst. Sondern dann, wenn du den Ball gewinnst und selbst eigentlich was kreieren möchtest. Wenn du dann den Ball verlierst, sind eben die Lücken da. Die größte Leistung meines Kollegen, seit er bei Bayern ist: dass sie immer scharf sind, dass sie immer stark sind im Gegenpressing.“
Eine Großchance der Bayern entstand zum Beispiel dann, als Dejan Ljubicic den gerade gewonnenen Ball im Mittelfeld vorantreiben wollte, ihn umgehend aber wieder an Alphonso Davies verlor und dieser dann Luis Diaz in die Spur schickte. Balleroberungen, Chancen erspielen, Momente kreieren: all das war selbst am Samstag immer noch okay bis ordentlich. Nur der Abschluss halt nicht.
Wahrscheinlich ist, dass Kane am Donnerstag zum Champions-League-Auftakt ebenso wie Olise in die Startelf zurückkehrt, auch da wird Kompany jedoch rotieren und schonen müssen. Wiederum nur drei Tage später geht’s ja schon zum nächsten Aufsteiger: der punktverlustfreien SV Elversberg.

