Nur kurz nach der Nominierungs-Pressekonferenz von Bundestrainer Jürgen Klopp beschritt auch Sebastian Hoeneß das Podium in Stuttgart – und äußerte sich zu den berücksichtigten und nicht berücksichtigten VfB-Profis.
Großes Lob für Jeltsch
Vier WM-Spiele, drei Tore und zwei Assists: Stürmer Deniz Undav war in diesem Sommer gerade zu Turnierbeginn ein Lichtblick der deutschen Nationalmannschaft. Dennoch wurde der Profi des VfB Stuttgart, der es in bislang 13 DFB-Einsätzen auf neun Treffer bringt, am Donnerstag nicht von Jürgen Klopp für die anstehende Nations-League-Phase nominiert.
Der neue Bundestrainer, der den Torjäger als TV-Experte während der WM oft gelobt und sogar in der Startelf gefordert hatte, erläuterte das so: „Deniz hat bisher seine Probleme, er hat noch nicht so richtig in die Saison reingefunden. Ich wollte mich hier für vier Stürmer entscheiden und habe mich für die anderen entschieden – für den Moment.“ Bedeutete in der Schlussfolgerung auch: Undav hat wie alle anderen die Chance, sich weiter zu beweisen. Für niemanden sei die „Tür zu“, so Klopp abschließend.
Undav? „Das wird er auch selbst wissen“
Das konnte Hoeneß auf der VfB-PK vor dem Topspiel gegen Borussia Dortmund am Samstagabend (18.30 Uhr, LIVE! bei kicker) indirekt so bestätigen: „Dass er Wehwehchen und Probleme mit seiner Achillessehne hat, ist klar. Dass er besser spielen kann, das wird er auch selbst wissen.“
Deswegen sei Klopps Entschluss erklärbar – der Undav eher wieder motivieren als frustrieren könnte. Beim direkten Gespräch mit seinem Angreifer „habe ich keine außergewöhnliche Reaktion festgestellt. Es gab einen guten Austausch.“ Mittel- oder langfristig werde es hnehin wieder so, „dass er wieder in den Fokus rückt. Denn was so Spieler wie er einem Team geben kann, liegt auf der Hand“, findet Hoeneß.
Stiller „hat Qualitäten, die jeder Mannschaft helfen“
Das gelte auch für Aufbauspieler Angelo Stiller – ein weiterer Stuttgarter Nicht-Nominierter an diesem Donnerstag. „Natürlich hätten wir uns gewünscht, dass der ein oder andere Spieler von uns noch den Weg zum DFB gefunden hätte. Gerade wenn wir über Deniz, Angelo und Jamie (Leweling; Anm. d. Red.) sprechen. Aber es geht weiter“, holte Hoeneß aus, um zu Stiller zu ergänzen: „Ich habe die PK von Jürgen nicht gehört, ich kann in Gänze also nicht beurteilen, was gesagt worden ist. Ich kann nur sagen, dass Angelo viel mitbringt, um einen Fußball auf Top-Niveau zu spielen – sowohl auf internationaler Ebene als auch im Kreise der Nationalmannschaft. Das hat er oft genug gezeigt. Er hat Qualitäten, die jeder Mannschaft helfen.“
Hoeneß‘ Schlussfolgerung: „Es ist wie immer im Sport: Jetzt gilt es, Leistung zu bringen, dass langfristig auch wieder über ‚Ange‘ gesprochen wird“, genau wie über Undav und Leweling. „Dass die Jungs grundsätzlich eine gute Rolle einnehmen können, wie bereits geschehen, das steht – denke ich – außer Frage. Sie werden automatisch wieder ins Schaufenster kommen.“
Jeltsch? „Er bringt alles mit“
Ein Schaufenster, in dem sich vier andere VfB-Akteure alsbald präsentieren dürfen: Josha Vagnoman und Chris Führich stehen im DFB-Kader für die ersten beiden Nations-League-Duelle mit den Niederlanden und Griechenland, Finn Jeltsch und Maximilian Mittelstädt in jenem für die Partien gegen Serbien und in Griechenland.
Hoeneß freut sich „über die vier Jungs, die dabei sind“, besonders für Jeltsch. Der U-17-Welt- und Europameister, der erst 2025 von Zweitligist Nürnberg zum VfB wechselte, „ist der nächste neue Nationalspieler – und wir hoffen natürlich, dass er direkt Minuten bekommt. Dann hätten wir es als Klub früh in der Saison wieder geschafft, einen Nationalspieler zu entwickeln.“ Überraschend kommt die Nominierung des 20-jährigen Abwehrspielers für Hoeneß nicht: „Es war uns immer klar, dass es eigentlich nur eine Frage der Zeit sein wird. Er bringt alles mit und ist ein extrem lernwilliger Spieler. Jetzt ging es schnell, sogar sehr schnell – und wir freuen uns mit ihm.“
Ungewöhnliches Modell – für Hoeneß nachvollziehbar
Klopps Idee, gleich 44 Spieler für die vier Länderspiele zu nominieren und in zwei Felder aufzuteilen, kann Hoeneß durchaus etwas abgewinnen. „Ich finde es interessant und auch gut“, sagte der VfB-Trainer dazu. „Ich verstehe seine Sicht, dass er es aufteilen möchte und in der Zeit, die er hat, so viele Spieler wie möglich sehen will.“ Hoeneß kommt das Vorgehen in der langen Länderspielpause auch zugute: „Aus unserer Sicht sind zwei zuerst dabei, im zweiten Abschnitt dann zwei weitere.“

