Luca Reggianis Jubellauf nach seinem Premierentreffer gegen Augsburg war ein Stärkungsmoment für das BVB-Gefühl – und ein Beleg dafür, warum die Verantwortlichen wieder verstärkt auf die Jugend setzen wollen.
Tor-Debütant Reggiani soll langfristig an den BVB gebunden werden
Der Fußball muss sich allzu oft in diesen Zeiten den Vorwurf gefallen lassen, er habe ob des vielen Geldes seine Unschuld verloren. Doch wie rein er auch im Jahr 2026 noch sein kann, davon zeugte der Jubel von Dortmunds Luca Reggiani nach seiner Bundesliga-Torpremiere beim 2:0-Sieg über den FC Augsburg. Voll kindlicher Freude fasste sich der 18-Jährige am Samstagnachmittag an den Kopf, ehe er jubelnd abdrehte und zur Dortmunder Ersatzbank lief, um dort Samuele Inacio, seinem Kumpel aus der BVB-Jugend, in die Arme zu springen. Unzählige Male hatte der Innenverteidiger mutmaßlich genau von diesem Moment geträumt, ihn gedanklich durchgespielt und ihn als Antrieb benutzt, wenn es im Training oder den Spielen im U-Bereich mal komplizierter lief. Auch direkt vor der Partie hatte er sich eine solche Szene vor Augen gerufen. In der 59. Minute schließlich war sein Augenblick gekommen – und alles musste raus.
Anton: „Das war das i-Tüpfelchen“
Es waren schöne Bilder, die Reggiani und der BVB gegen den FCA erzeugten. Sie emotionalisierten die Spieler auf dem Rasen, aber auch viele von denen, die in Schwarz-Gelb auf den Tribünen standen oder vor den Bildschirmen saßen. Ein Spieler aus der eigenen Jugend trifft – so etwas löst in Dortmund traditionsgemäß ganz besondere Glücksgefühle aus. Und das spürte auch Reggianis Trainer Niko Kovac, der dem Youngster den Vorzug vor Niklas Süle gegeben hatte und anschließend bilanzierte: „Das war wunderschön. Er hat ja gar nicht gewusst, wohin mit sich. Ich freue mich sehr für ihn.“
Zumal das Toreschießen nicht zur Kernkompetenz des Italieners zählt, der eigentlich primär für das Verhindern von Treffern zuständig ist und diese Aufgabe bei seinen bislang fünf Einsätzen für die Dortmunder Profis – vier in der Bundesliga, einen in der Champions League – auch sehr ordentlich löste. „Als Abwehrspieler“, sagte Waldemar Anton, sein Nebenmann in der Dreierkette, „schaut man ja immer zunächst darauf, dass hinten nichts anbrennt.“ In diesem Bereich habe Reggiani „keine Fehler“ gemacht. „Das Tor war dann das i-Tüpfelchen.“
Gespräche über eine Vertragsverlängerung laufen
Seine Zukunftsaussichten dürfte seine Tor-Premiere nicht geschmälert haben. Im Gegenteil. Machte ihn der Treffer – und der Jubellauf danach – doch noch ein Stück bekannter in der Fußballwelt. Bis 2027 läuft sein Vertrag noch beim BVB, das eint ihn mit seinem Teamkollegen Nico Schlotterbeck. Gespräche über eine vorzeitige Ausdehnung laufen. In den Planungen der Dortmunder Verantwortlichen spielt er mit Blick auf die kommende Saison eine Rolle, gerade angesichts der Veränderungen, die in diesem Mannschaftsteil ob der langen Verletzung von Emre Can und dem baldigen Weggang von Süle anstehen. Und die durch ein Nein von Schlotterbeck durchaus auch noch umfangreicher ausfallen könnten.
Zumal Reggiani, der vor zwei Jahren von US Sassuolo in die Dortmunder U 17 wechselte, die Geschichte von Youngstern fortschreiben würde, die sich beim BVB zu Profis entwickeln konnten. Eine Geschichte, auf die die Borussen künftig wieder einen stärkeren Fokus legen wollen. Warum? Auch davon zeugten – neben rein pragmatischen wirtschaftlichen Gründen – die Jubelbilder am Samstag.

