Nico Schlotterbeck feierte seinen Führungstreffer gegen den FC Bayern ausgelassen. Mancher Beobachter forderte dafür Gelb-Rot – zu Unrecht.
Was die Regeln sagen – und was der BVB-Verteidiger
Viel fehlte nicht, und Nico Schlotterbeck hätte binnen drei Tagen zweimal Rot gesehen. Borussia Dortmunds wiedergenesener Abwehrchef hatte beim Champions-League-Aus in Bergamo am Mittwoch auf der Bank eine Rote Karte gezeigt bekommen, für die er später keine Erklärung hatte. Am Samstag nun riskierte er im Bundesliga-Topspiel gegen den FC Bayern mit einer harten Grätsche gegen Josip Stanisic den nächsten Platzverweis.
Schiedsrichter Sven Jablonski ließ Schlotterbeck mit der Gelben Karte davonkommen (20.), und das hatte unmittelbare Folgen: Sechs Minuten später köpfte der Nationalspieler den BVB nach einem Freistoß in Führung – und spielte danach erneut ein wenig mit dem Feuer.
„Wenn ich dafür eine Gelbe Karte bekomme, dann hört es auf.“ (Nico Schlotterbeck)
Denn Schlotterbeck sprang beim ausgelassenen Jubel über die Bande und klatschte mit einigen Fans ab, ehe er auf den Rasen zurückkehrte. Mancher Beobachter forderte dafür eine Gelbe Karte und damit Gelb-Rot, worauf Jablonski aber zu Recht verzichtete. Das Regelwerk verbietet zwar manche Formen des Torjubels, nicht aber das, was Schlotterbeck tat.
Konkret heißt es in Regel 12 unter „Torjubel“: „Spieler dürfen nach einem Tor jubeln, solange sie es nicht übertreiben (…). Das Verlassen des Spielfelds beim Torjubel ist noch kein verwarnungswürdiges Vergehen. Die Spieler sind aber gehalten, so rasch wie möglich zurückzukehren.“
Gelb erhält ein Spieler – übrigens unabhängig davon, ob der Treffer am Ende zählt oder nicht – zwar unter anderem dann, „wenn er an einem Zaun hochklettert und/oder sich den Zuschauern auf eine Weise nähert, die zu einem Sicherheitsproblem führt“. Beides traf auf Schlotterbecks Verhalten aber nicht zu, ebenso wenig feierte er „auf provozierende, höhnische oder aufhetzende Weise“, auch sein Trikot behielt er an.
Husztis Gelb-Rot-Torjubel unvergessen
Dass diese Regeln auch in der Bundesliga durchaus streng angewendet werden, bewies einst Szabolcs Huszti, der eine der berühmtesten Gelb-Roten Karten der Ligageschichte sah. Der überragende Ungar erzielte am 3. Spieltag der Saison 2012/13 in der Nachspielzeit per Fallrückzieher das 3:2 für Hannover 96 gegen Werder Bremen, zog sich danach aber das Trikot aus und kletterte auch noch ein Stück am Fan-Zaun hoch. Als er zurückkehrte, zeigte ihm Schiedsrichter Deniz Aytekin deshalb erst Gelb, dann Gelb-Rot.
Für Schlotterbeck und den BVB gab es nach den 90 Minuten am Samstagabend dann übrigens nichts mehr zu jubeln. Der FC Bayern drehte das Topspiel, ließ sich auch durch das zwischenzeitliche 2:2 von Daniel Svensson nicht aus der Ruhe bringen und sorgte dank des Siegtreffers von Joshua Kimmich für eine Vorentscheidung im Meisterschaftskampf. Und Schlotterbeck erklärte seinen Torjubel bei Sky so: „Ich wollte eigentlich gar nicht über die Bande, sondern nur auf die Bande springen. Ich habe das Gleichgewicht verloren. Wenn man alles ausmustert, dann haben wir keinen Fußball mehr, dann spiele ich irgendwann Schach. Wenn ich dafür eine Gelbe Karte bekomme, dann hört es auf.“

