Von wegen Spannungsabfall: Niko Kovac will Borussia Dortmund im Saisonfinale bei 100 Prozent sehen – und tröstet seinen verletzten Kapitän Emre Can.
BVB-Trio fehlt weiterhin
Es ist Spiel 1 nach dem Ende der letzten Titelhoffnung, gleichzeitig der Start ins Saisonfinale. Dass bei Borussia Dortmund nach dem Aus in den Pokalwettbewerben und der Niederlage im Spitzenspiel am vergangenen Wochenende die Spannung nun aber entscheidend abfällt, will Trainer Niko Kovac zur Not eigenhändig verhindern.
„Ich habe es in den Wochen zuvor schon gesagt: Den Rückspiegel müssen wir im Auge behalten, es ist noch nichts geschafft“, betont der Coach: „Wir haben noch zehn Spieltage, es ist noch viel an Punkten zu vergeben. Die anderen schieben an, wir müssen noch punkten und wir wollen punkten.“ Deswegen wolle er „am liebsten alle Spiele gewinnen. Das ist unser Ziel, das ist das Ziel jedes einzelnen Fußballers, jeder einzelnen Mannschaft“.
„Wir lassen nicht zu, dass wir denken, mit 99 Prozent kommen wir weiter.“ (Niko Kovac)
Und mit der Vorgabe wird Kovac auch nicht dulden, dass sein Team nachlässt: „Die Spannung darf nicht entweichen, aber dafür sorgen wir schon. Das wissen die Jungs auch und dementsprechend trainieren wir auch so. Wir lassen nicht zu, dass wir denken, mit 99 Prozent kommen wir weiter.“
Erste Bewährungsprobe für diese Vorgabe wird am Samstagabend das Spiel beim 1. FC Köln (18.30 Uhr, LIVE! bei kicker). Bei den Rheinländern wackelt aktuell das Gesamt-Konstrukt, das weiß auch Kovac. „Sicherlich ist uns bekannt und bewusst, dass es eine Mannschaft ist, die nach einem wirklich tollen Start nach hinten gerutscht ist. Die anderen Teams holen auf und sie stehen etwas unter Druck.“
Dennoch: „Gerade zu Hause in dem tollen Stadion mit der tollen Atmosphäre dieser Fans schon sind sie zu Gutem in der Lage.“ Überhaupt dürfe im Endspurt kein Team unterschätzt werden, findet der Kroate: „Es gibt immer wieder verrückte Ergebnisse, wenn es ins Foto-Finish geht. Egal in welche Richtung passiert teilweise Wildes. Deswegen sind wir gewarnt.“
Personell wird sich beim BVB im Vergleich zum vergangenen Wochenende wenig tun. „Filippo Mane ist individuell auf dem Trainingsplatz und noch nicht mit der Mannschaft unterwegs“, erklärt Kovac: „Niklas Süle hat gestern und heute teilintegriert trainiert, ist also auch noch nicht voll im Training.“ Auch Carney Chukwuemeka sei noch kein Kader-Kandidat: „Er wird in Köln auch noch nicht soweit sein, um im Kader zu stehen. Er hat immer noch muskuläre Probleme, die wir hoffentlich bis zum nächsten Spiel beheben werden.“
Can spielte weiter: Vorbildlich oder riskant?
Und dann fehlt natürlich noch Emre Can. Nach der niederschmetternden Diagnose Kreuzbandriss leidet Kovac mit seinem Kapitän. „Bei Emre ist leider das eingetroffen, was wir schon geahnt haben. Es geht ihm den Umständen entsprechend soweit gut, aber klar ist das mental nicht ganz so einfach zu verarbeiten.“ Gerade die Einstellung des Innenverteidigers mache die Akzeptanz schwer: „Er möchte der Mannschaft helfen, er möchte dabei sein und man hat gesehen, was für einen Willen er hat. Letztlich hat er sich verletzt und trotzdem weitergespielt.“
Das sei „für mich vorbildlich, andere würden sagen, es war sehr riskant und vielleicht in Anführungsstrichen auch dumm“. Aber, so Kovac: „Es zeigt, was er für ein Mensch ist, was er für ein Kapitän ist, was er für eine Führungspersönlichkeit ist.“ Dass Geschäftsführer Lars Ricken nun ankündigte, den im Sommer auslaufenden Vertrag zu verlängern, „freut mich“, sagt der Trainer: „Die Unterstützung hat er von uns allen. Entscheidend ist, dass man wieder zurückkommt, dass man stärker zurückkommt, und davon bin ich felsenfest überzeugt. Denn er ist ein toller Charakter, ein toller Sportsmann und deswegen warten wir auf ihn.“

