Drei Tage nach einem der größten Erfolge der Vereinsgeschichte geht es für die Freiburger am Hamburger Millerntor weiter – wo die negative Auswärtsserie beendet werden soll.
Nach europäischem Offensivspektakel auswärts glänzen
Mit dem Einzug ins Europapokal-Viertelfinale hat sich die aktuelle Mannschaft des SC Freiburg einen Eintrag in den Geschichtsbüchern des Vereins gesichert, deshalb wollte Trainer Julian Schuster seinen „Jungs auch die Möglichkeit geben, die Momente zu genießen und mal innezuhalten“. Allerdings wusste er auch, dass es dafür nicht allzu viel Zeit gab.
Der Sieg gegen Genk gebe zwar Energie, „es ist aber schon auch hart, drei Tage später auf eine Mannschaft zu treffen, die im Abstiegskampf steckt und alles investieren wird“, sagte der SC-Coach. Für das Auswärtsspiel beim FC St. Pauli (Sonntag, 17.30 Uhr, LIVE! bei kicker) könne aber die Aussicht auf die folgende Länderspielpause „für den Kopf helfen, alles reinzuwerfen“.
Letzter Auswärtssieg vor Weihnachten
Und dem Körper hilft es, dass die Freiburger das Achtelfinal-Rückspiel „eindeutig gestaltet“ haben und nicht in eine Verlängerung mussten, sagte Maximilian Eggestein, der mit seinem Tor zum 5:1 den Schlusspunkt setzte. Schon in der ersten Halbzeit hatte er eine Großchance und sich „sehr geärgert, dass ich mich für die Innenseite entschieden habe, statt mit dem Spann zu schießen – aber dafür war der zweite überlegter und hat ganz gut gesessen“. Eggestein war einer von fünf verschiedenen Torschützen am Donnerstagabend, hatte aber schon die nächste Aufgabe im Kopf: „Jetzt wollen in der Liga auch mal wieder gewinnen.“
Im eigenen Stadion ist das rund einen Monat her (2:1 gegen Mönchengladbach), auswärts allerdings deutlich länger. Das 4:3 in Wolfsburg kurz vor Weihnachten war der letzte Auswärtssieg von insgesamt zwei in dieser Saison (der erste war das 3:0 in Bremen Ende September). Die Bilanz der Freiburger in fremden Stadien ist ausbaufähig: Sie holten aus den jüngsten fünf Auswärtsspielen nur einen Punkt (beim 2:2 in Augsburg) und verloren die jüngsten drei jeweils zu Null. Das war in dieser Saison auswärts schon siebenmal der Fall.
„Die Mannschaft hat bewiesen, dass sie den Schalter umlegen kann“, gibt sich Schuster optimistisch. „Sie kann in Phasen, in denen nicht alles ideal läuft, reagieren. Sie kann schnellstmöglich gewisse Dinge umsetzen, die angesprochen werden.“ Es gebe eine positive Fehlerkultur im Team, „und dass die Mannschaft torgefährlich sein kann, hat sie mehr als bewiesen“.
Schuster: „Ich wäre enttäuscht, wenn wir keine Blessuren hätten“
Das gilt auch in dieser Saison vor allem wieder für Vincenzo Grifo (7 Bundesligatore), seit seinem 106. SC-Pflichtspieltor gegen Genk neuer Rekordtorschütze des Vereins, der vor seinem 300. Bundesligaspiel steht. Ihm dicht auf den Fersen ist Igor Matanovic, der in der Liga sechs Treffer erzielt hat, und auch gegen Genk erfolgreich war.
Für ihn folgt nun „ein besonderes Spiel“ in seiner Geburtsstadt Hamburg bei seinem Ausbildungsverein St. Pauli, bei dem er von 2010 bis 2023 unter Vertrag stand. Der Kroate hat zwar nur noch „wenig Kontakte, weil die Mannschaft sich verändert hat“, wie er erzählte, aber sie habe sich „ins Positive entwickelt, was mich freut“. Wie schon gegen seinen Ex-Verein Frankfurt will er für das Spiel alles andere ausblenden. „Wir gehen mit vollem Elan und Wucht da rein“, sagte Matanovic. Das werde nötig sein. „Ich weiß wie es ist, am Millerntor zu spielen – nicht einfach.“
Dass er einstecken kann, hat er gezeigt, nachdem er im Heimspiel gegen Union Berlin oberhalb vom Auge verletzt wurde, und die genähte Wunde auch noch am Donnerstag deutlich zu sehen war. Gegen Genk haben der Stürmer und seine Kollegen auch wieder ein paar Schläge abbekommen. „Ich wäre enttäuscht, wenn wir keine Blessuren hätten, das würde bedeuten, dass wir mit großer Wahrscheinlichkeit nicht alles reingeworfen hätten“, sagte Schuster. Er gab aber Entwarnung für den Sonntag, da sollten wieder alle einsatzbereit sein.

