Spiel ohne Ball: Was ein Xavi-Rekord für die Eintracht bedeutet

Auf der Pressekonferenz vor dem Auswärtsspiel beim FC St. Pauli gewährt Eintracht-Coach Albert Riera tiefe Einblicke und betont die Bedeutung des Spiels ohne Ball. Exemplarisch führt er einen Rekord des früheren Superstars Xavi an.

Riera gewährt tiefe Einblicke

Vom sonnigen, warmen Frühlingswetter, das nach grauen Wintermonaten die Stadt wach küsst, bekommt Albert Riera nicht viel mit. Die letzten beiden Nächte schlief er wieder einmal im Profi-Camp am Stadion. Es ist keine Seltenheit, dass die Tage des Mallorquiners 15 bis 18 Stunden dauern. Er genießt, was er tut, empfindet das Trainerdasein nicht als Plackerei.

„Kein kaputtes Team übernommen“

Dabei lag reichlich Arbeit vor ihm, als er Anfang Februar die Nachfolge von Dino Toppmöller antrat. Dem Ex-Coach schickte er auf der Pressekonferenz am Freitag – ungefragt – einige warme Worte hinterher: „Auf früheren Stationen kam es vor, dass ich Mannschaften übernommen habe, die physisch ein Desaster waren, mental nicht bereit und ohne gutes taktisches Verständnis. In Frankfurt habe ich kein kaputtes, sondern ein physisch starkes und gebildetes Team mit der richtigen Einstellung übernommen. Das sagt viel Gutes über den früheren Cheftrainer aus.“

Riera sah seine Aufgabe zunächst darin, nach nur einem Sieg aus 13 Spielen mentale Blockaden zu lösen und die Spieler aufzuwecken. Das ist ihm mit seiner energischen Art offensichtlich gelungen. „Er ist der beste Motivator, den es gibt“, betonte Adam Delius bereits Ende Januar im kicker-Interview. Der Präsident von Olimpija Ljubljana gewann mit Riera 2022/23 das Double in Slowenien.

Riera hat die Zügel allerdings auch deutlich angezogen. Wenn es um die richtige Einstellung geht, macht er keine Kompromisse. „Du kannst verlieren, weil der Gegner besser ist. Du kannst verlieren, weil das Fußball ist. Im Fußball gewinnt nicht immer der Favorit oder das bessere Team. Deshalb ist Fußball wunderbar. Aber du darfst nicht verlieren, weil du mental nicht bereit bist“, betont der 43-Jährige. Das könne mit ihm nicht passieren: „Meine Teams performen immer mit Energie und Leidenschaft. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass jemals eine meiner Mannschaften wegen eines Mangels an Einstellung verloren hat. Es wäre sehr seltsam, wenn das passieren würde.“

Der Coach weiß, dass Fehler Teil des Spiels sind. Also akzeptiert er sie. Aber Nachlässigkeiten in der Vorbereitung nimmt er nicht hin. Riera und Laissez-faire? Undenkbar. „Ich bin kein Fan davon, den Spielern viele Komplimente zu machen, denn Komplimente machen dich soft. Das ist die Realität“, sagt der Coach. Deshalb setzt er alles daran, im Alltag die Sinne zu schärfen.

Auch zu Beginn dieser Trainingswoche vor dem Auswärtsspiel beim FC St. Pauli: „Ich habe den Spielern gesagt, dass Gewinnerteams nur an das nächste Spiel denken. Wir haben noch nichts geschafft, sondern ein Defizit an Punkten. Ich will, dass wir in jedem einzelnen Spiel mit der gleichen Intensität, Energie und Leidenschaft spielen. Es darf nicht sein, dass wir gegen die Bayern mehr motiviert sind als gegen St. Pauli. Jeder Gegner verdient großen Respekt.“

„Wenn sie ihre Augen schließen …“

Seit seinem Amtsantritt betrachtet er jede Partie bis zum 34. Spieltag als Finale. Warum? Ganz einfach: „Wir haben ein großes Punktedefizit und müssen viele Spiele gewinnen.“ Fast schon poetisch wird Riera, wenn er über das große Ganze spricht. „Wenn ich meinen Spielern zuschaue, will ich mich dabei im Spiegel sehen. Mein Ziel ist, dass sie das Spiel auf dem Platz genießen können. Das bedeutet: Wenn sie ihre Augen schließen, wissen sie, was zu tun ist, wo die Mitspieler sind, wie sie kombinieren können. Als Trainer möchte ich sagen können: Wow, welches Team habe ich da!“

Spannend ist, dass Riera nicht zum ersten Mal sehr ausführlich über das Spiel ohne Ball spricht. Bei seinem Trainerexamen sei die Frage gestellt worden, wie lange ein einzelner Spieler während der 90 Minuten am Ball sei. Der Coach klärt auf: „Den Rekord hat Xavi Hernandez in einem Spiel gegen Getafe mit 80 Prozent Ballbesitz aufgestellt. Da war er ungefähr viereinhalb Minuten am Ball. Bei mir als Flügelspieler war es früher nicht mal eine Minute. Stell dir vor, du weißt nicht, was du in den anderen 89 Minuten ohne den Ball machen sollst. Wie wichtig ist also der Job, den du ohne Ball machen musst? Ich bin ein Trainer, der sehr hohe Anforderungen an das Spiel ohne Ball hat.“

Positivbeispiel Bahoya

Er will, dass jeder Spieler mit dem Wunsch aufs Feld geht, der Spieler des Spiels zu werden. Das könnten auch Spieler schaffen, die nicht so oft am Ball sind – indem sie im Spiel ohne Ball überzeugen. Linksaußen Jean-Matteo Bahoya sieht er als positives Beispiel. Dem 20-jährigen Franzosen schenkte er zuletzt dreimal in Folge über 90 Minuten das Vertrauen. Das ist allein deshalb bemerkenswert, weil Bahoya in seinen vorherigen 50 Bundesliga-Spielen kein einziges Mal über die volle Spielzeit auf dem Platz stand: 31-mal wurde er eingewechselt, 19-mal ausgewechselt.

„Junge Spieler brauchen Hilfestellungen und Vertrauen vom Coach. Das habe ich ihm gegeben. Ich erwarte, dass er die gleiche Liebe, die ich ihm gebe, dem Team zurückgibt. Er gibt uns das zurück, was wir brauchen. Was er mit dem Ball macht, ist fantastisch, aber er macht auch ohne den Ball einen fantastischen Job.“ Riera möchte, dass der Ball so schnell wie möglich zurückerobert wird, sobald der Gegner den ersten Pass gespielt hat. „Jedes Mal, wenn wir den Ball verlieren, verlange ich eine Reaktion“, betont der Trainer. Das Spiel ohne Ball sei auch der Schlüssel gewesen, um die Defensive zu stabilisieren: „Zuerst haben wir am Defensivkonzept gearbeitet. Allen Spielern muss klar sein, was sie ohne den Ball zu tun haben.“

In den Videositzungen bindet er die Spieler deshalb aktiv ein und fragt sie nach dem korrekten Verhalten, wenn er einzelne Spielsequenzen anhält. „Sie müssen mir erklären, was zu tun ist, denn ich weiß ja, wie wir verteidigen wollen. Ich weiß, was ich will, aber sie müssen es verstehen“, erläutert der Coach. Er konstatiert: „Ich sehe, dass sie sehr schnell lernen und bin mit den Fortschritten wirklich zufrieden.“ Das soll am Sonntag auch der FC St. Pauli zu spüren bekommen.

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