Die Lage beim SV Werder Bremen bleibt prekär, der Führungskreis sieht sich kritischen Analysen gegenüber: Hat sie bereits Konsequenzen für den Kaderplaner?
Kaderplaner-Entscheidung gefallen?
Der kurzzeitige Stimmungsaufheller ist schon wieder passé: Die jüngste 0:2-Niederlage gegen Mainz hat die beiden Siege gegen Heidenheim und Union Berlin wieder in ein anderes Licht gerückt. Ein dunkleres Licht.
Trainer Daniel Thioune hat nach dem Rückschritt deutliche Töne angestimmt, sowohl unmittelbar nach der Partie am Sonntagabend als auch mit etwas Abstand am Montag noch: „Es hat wohl alle Beteiligten verwundert, dass wir das, was wir uns in den Wochen zuvor aufgebaut haben, wieder umgeschmissen haben.“
Thioune, der bereits sein Wirken als Chef in den jüngsten Wochen angepasst hat, indem er tragende Entscheidungen selbst und mit weniger Rücksicht auf die Meinung der Spieler fällt, wählte also sicherlich bewusst derlei Worte, die die Mannschaft nun klar in die Pflicht nehmen.
Lässt sich das Team auf die Kritik ein?
Wie das an der entsprechenden Stelle ankommt, darüber wird auch die nächste so bedeutungsvolle Partie am kommenden Samstag (15.30 Uhr, LIVE! beim kicker) in Wolfsburg Aufschluss geben.
Folgt das Team dem neuen Trainer, der vor der Mainz-Partie zumindest betonte, Vertrauen der Profis nun umso mehr zu spüren? Und lässt es sich demnach auf die Kritik und die Forderungen ein? Der 51-Jährige sprach dabei von „einem gewissen Maß an Resistenz“, das es wieder benötige: „Das müssen wir uns vorwerfen lassen.“
Und das sollte sich eine im Abstiegskampf befindliche Mannschaft ja ohnehin zu Herzen nehmen, sollte sie den Bundesliga-Klassenerhalt wirklich mit aller Macht anstreben. „Die Mannschaft kann es ja“, sagte Thioune auch über die nun wieder geschwundene Effizienz: „Und sie ist dazu angehalten, es auch wieder zu zeigen.“
Verliert Jahns seinen Job?
Dass sich die Bremer in dieser Saison überhaupt in einer solch prekären Situation wiederfinden, hat längst auch enorme Kritik an den Entscheidern um Sportchef Clemens Fritz hervorgerufen, der dem sportlichen Führungstrio um Leiter Profifußball Peter Niemeyer und Kaderplaner Johannes Jahns als Kopf vorsteht.
Während der langjährige Bremer Ex-Profi und Werder-Ehrenspielführer somit auch vornehmlich als Gesicht der Krise herhalten muss, berichtet die Bild von ersten personellen Konsequenzen in diesem Bereich.
Der 2023 von RB Salzburg verpflichtete Jahns soll demnach seinen Job, der die Bezeichnung „Leiter Scouting, Kaderplanung und Transfers/Head of Recruiting“ trägt, zum Saisonende verlieren. Ob es dadurch zu einem Abgang oder einem internen Wechsel im Werder-Kosmos komme, stehe noch nicht fest. Fakt ist, dass neben einer unzureichenden Zusammenstellung eines Bundesliga-Kaders mit Flops wie Naby Keita oder Victor Boniface auch die peinliche Leihspieler-Posse in Jahns Bereich fallen.
Bislang keine Signale zur Fritz-Zukunft
Nicht überall am Osterdeich bestätigt man das vorzeitig feststehende Aus, zeigte sich bisweilen überrascht, da eine solche Entscheidungen noch nicht final gefallen sei, heißt es. Doch dass die negative Entwicklung längst mit einer kritischen Analyse einhergeht, liegt erstens nur nahe und es wäre zweitens schon sehr verwunderlich, wenn sich diese ohne Konsequenzen bliebe. Der sportliche Bereich steht auf dem Prüfstand.
Signale, wonach Fritz im Falle des gesicherten Klassenerhalts sicher im Amt bleibt, soll es indes bislang nicht geben. Wobei es traditionell auch nichts Ungewöhnliches bei Werder wäre, wenn Verantwortungsträger trotz Misserfolgs ihre Arbeit fortsetzen dürfen. Nach dem Bundesliga-Abstieg 2021 blieben Sportchef Frank Baumann und Fritz als Leiter Profifußball ebenfalls im Amt. Bei Jahns dürfte es aller Voraussicht nach nun anders kommen.

