Toppmöller steht vor kniffliger Torwart-Entscheidung

Kevin Trapp stieg am Dienstag ins Mannschaftstraining der Eintracht ein, absolvierte die komplette Einheit und könnte am Samstag in Bremen ins Tor zurückkehren. Konkurrent Kaua Santos gab zuletzt allerdings überzeugende Bewerbungsschreiben ab.

Trapp-Comeback im Training

Wegen einer schmerzhaften Blessur am Schienbein verpasste Kevin Trapp die jüngsten drei Pflichtspiele. Das eröffnete Kaua Santos die Möglichkeit, den schlechten Eindruck zu korrigieren, den er kurz vor Weihnachten beim 1:3 gegen Mainz mit zwei schweren Patzern hinterlassen hatte.

Der Brasilianer nutzte seine Chance, strahlte große Souveränität aus und hielt, was zu halten war. Allen voran beim 3:1-Auswärtssieg in Bochum war der 1,96-Meter-Hüne kaum zu bezwingen und wirkte wie ein Albatros, wenn er sich groß machte und seine langen Arme ausbreitete.

Es ist Zeit, Farbe zu bekennen

Die Verantwortlichen um Sportvorstand Markus Krösche und Cheftrainer Dino Toppmöller drückten sich seit dem Spiel in Bochum um eine klare Antwort herum, wer im Tor stehen wird, wenn Trapp wieder fit ist. „Wir haben mit Kaua, Trappo und Jens Grahl drei herausragende Torhüter. Es macht unfassbar viel Spaß, mit den Jungs zusammenzuarbeiten. Es bringt nichts, über irgendwelche Szenarien, Hypothesen und Spekulationen zu sprechen“, sagte Toppmöller vor dem Spiel gegen Stuttgart.

Auf Nachfrage meinte er zwar, dass sich an der „grundsätzlichen Reihenfolge im Tor“ nichts geändert habe, schob mit der Begründung von Trapps Verletzung aber nach:  „Wir müssen im Hier und Jetzt bleiben, es macht wenig Sinn zu spekulieren.“ Damit bleibt selbstredend viel Raum für Spekulationen. Wäre Trapp die unumstrittene Nummer 1, so hätte man das längst ohne Hintertürchen glasklar kommunizieren können.

Nach Trapps Comeback im Training wäre es ratsam, das Thema zügig zu klären. Spätestens vor dem Hinspiel im Europa-League-Viertelfinale bei Tottenham Hotspur sollte feststehen, wer bis Saisonende die Nummer 1 ist. Möglicherweise legt sich der Coach schon am Donnerstag auf der Pressekonferenz vor dem Auswärtsspiel in Bremen fest. Beide Torhüter haben es verdient, dass es nun kein Herumgeeiere mehr gibt. Es ist an der Zeit, Farbe zu bekennen.

Ein Risiko bleibt in jedem Fall

Die Entscheidung ist knifflig. Den langjährigen Leistungsträger, Europa-League-Helden und Mannschaftskapitän Trapp mitten in der Rückrunde abzusägen, wäre einerseits ziemlich brisant. Andererseits müssen sich alle Profis darauf verlassen können, dass das Leistungsprinzip zählt. Trapps Performance ist schon länger durchwachsen. Zwar verkörpert der 34-Jährige noch immer ordentliches Bundesliganiveau, er ist aber nicht mehr der Teufelskerl früherer Tage. Die Glanzleistungen wurden weniger, Unsicherheiten nahmen zu.

Das Momentum spricht für Kaua Santos, ebenso das riesige Potenzial des Brasilianers. Doch ist der 21-Jährige bereits dem Druck, der Verantwortung und Erwartungshaltung gewachsen, mitten in der Saison vom Herausforderer zur Nummer 1 aufzusteigen? Zuzutrauen ist es ihm, Gewissheit gibt es nicht. Egal ob die Wahl auf Trapp oder Kaua Santos fällt, ein gewisses Risiko birgt Toppmöllers Entscheidung in jedem Fall. Ein folgenschwerer Patzer in der entscheidenden Saisonphase würde unweigerlich die Frage aufwerfen, ob die Torwart-Entscheidung richtig war. Umso wichtiger ist es, dass der Keeper, der künftig im Tor steht, das uneingeschränkte Vertrauen des gesamten Klubs spürt.

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