Seit den Neuwahlen im e.V. herrscht ein Stück weit Ruhe bei der TSG Hoffenheim. Den möglichen Datenschutzverstoß ausräumen kann allerdings final nur die zuständige Behörde.
Nach Gutachten zu möglichem Verstoß
Die Überschrift war eindeutig: „Rechtsgutachten bringt Klarheit: Verdacht auf Datenschutzverstoß ausgeräumt.“ Das hatte die TSG Hoffenheim im Zuge ihrer Mitgliederversammlung, bei der eine neue e.V.-Spitze aus André Kreuzwieser und Florian Beil gewählt worden war, öffentlich kommuniziert. Jenes Kommunique basierte auf einer Einschätzung des Inhabers des Lehrstuhls für Law and Regulation of the Digital Transformation an der Technischen Universität (TU) München, Prof. Dr. Boris P. Paal. Demnach bewege sich „die Schwere des etwaigen Datenschutzverstoßes am untersten Rand denkbarer Sanktionswürdigkeit“.
„Haben gebeten, uns die Unterlagen zu übermitteln“
Was nun danach klingt, als wäre der Vorfall final vom Tisch, ist allerdings nach wie vor von Interesse für den Landesbeauftragten für Datenschutz und Informationssicherheit (LfDI) in Baden-Württemberg, Dr. Matthias Keber. Denn das ist eben die zuständige Aufsichtsbehörde, zumal externe Gutachten rechtlich nicht bindend sind. Entsprechend hat der LfDI das Gutachten angefordert, teilte der vor einigen Tagen mit: „Im konkreten Fall haben wir die verantwortliche Stelle gebeten, uns zum Sachverhalt entsprechende Unterlagen zu übermitteln.“
Dem scheint man beim Bundesligisten mittlerweile nachgekommen zu sein. „Der TSG Hoffenheim e.V. hat das Gutachten von Prof. Paal dem Landesbeauftragten für Datenschutz und Informationssicherheit zur Verfügung gestellt“, heißt es. Nun also untersucht man in Stuttgart, ob an der Weitergabe einer Mitgliederliste wirklich „nur der Versand an die berufliche E-Mail-Adresse des Vereinsmitglieds bei der Spielbetriebs GmbH“ fragwürdig war. Ob des Zeitpunkts und der handelnden Personen konnte durchaus auch der Eindruck entstehen, dass es darum ging, handverlesene Kandidaten für die Wahl des neuen e.V.-Vorsitzenden zu finden.
Hinweisgeberstelle neu organisiert im Verfahren
Paals Gutachten jedenfalls, so heißt es auf Nachfrage bei der TSG, berücksichtige sowohl den Inhalt der Berichte der Kanzlei Freshfields zu dem Verstoß als auch den der Datensicherheitsfirma Legaltegrity. Allerdings gibt es klubseitig erhebliche Kritik an Freshfields: „Von der von Ihnen erwähnten Kanzlei Freshfields liegt bis zum heutigen Tage weder der Spielbetriebsgesellschaft noch dem Verein eine fundierte rechtliche Einschätzung über die Rechtmäßigkeit oder Rechtswidrigkeit der Weitergabe der Mitgliederdaten vor.“
Was allerdings nicht wirklich erstaunt, denn mitten im laufenden Verfahren war die formal dafür zuständige Hinweisgeberstelle von Sportgeschäftsführer Andreas Schicker neu organisiert und Legaltegrity zur Bearbeitung des Falles hinzugezogen worden. Inwiefern Freshfields dann überhaupt noch zu Ermittlungen befähigt war, scheint unklar. Die beiden leitenden Mitarbeiter, Asmaham Gamgami und Arno Metz, die die Hinweisgeberstelle bis dahin leiteten, sind mittlerweile freigestellt und klagen vor dem Arbeitsgericht Mannheim.
Hopp hat Rechtsanwalt mit Vollmacht ausgestattet
Der ganze Sachverhalt ist eingebettet in einen großen Machtkampf, in dem die Kapitalseite um Geldgeber Dietmar Hopp eine Rolle spielt, genauso wie die organisierte Fanszene um den mittlerweile zurückgetretenen Interimspräsidenten des e.V., Christoph Henssler. Spannend in dem Zusammenhang: Hopp hatte Ende Januar, auf dem Höhepunkt der Auseinandersetzung, dem Juristen Dr. Heiko Hofstätter eine Vollmacht erteilt, einem Fachanwalt für Strafrecht sowie Bank- und Kapitalmarktrecht, der auch im Spielerberater-Business tätig ist.
Die am 3. Februar vorgenommene Abberufungsentscheidung von Ex-Marketinggeschäftsführer Tim Jost, deren Hintergründe für die Öffentlichkeit nach wie vor völlig unklar sind, beispielsweise hat Hofstätter in Vertretung für den Gesellschafter Hopp unterzeichnet. Jost war nach den Trennungen von Frank Briel und Dr. Markus Schütz, die ihren Ursprung im Rechtsstreit mit Spielerberater Roger Wittmann hatten, noch neben Schicker in der Geschäftsführung verblieben.
Interessant ist in der Gesamtbetrachtung, wer nach Josts Aus im Organigramm nach oben gerückt ist: Nach kicker-Recherchen erhielten am 17. Februar ausgerechnet die für die IT-Abteilung und damit im weitesten Sinne auch das Thema Daten zuständige Geschäftsleiterin Melanie Fichtner sowie der technische Direktor Paul Pajduch, der einst mit Schicker von Sturm Graz in den Kraichgau gekommen war, Prokura.

