Mit zwei wichtigen Siegen haben sich die Freiburger in die Länderspielpause verabschiedet, in der vor allem die Nicht-Nationalspieler vor einem herausfordernden April durchatmen wollen.
Frische Kräfte, Charakter und das große Ganze
Wer gedacht hätte, SC-Trainer Julian Schuster würde im Nachhinein seine Entscheidung infrage stellen, irrte sich. Dass er die gleiche Startelf beim FC St. Pauli auf den Rasen schickte, die drei Tage zuvor Genk im Europa-League-Achtelfinale 5:1 bezwungen hatte, hielt er nicht für falsch, im Gegenteil. „Der Plan ging auf“, sagte Schuster. Obwohl das Team in der ersten Halbzeit am Millerntor keinesfalls an die europäische Glanzvorstellung gegen die Belgier anknüpfen konnte und sogar 0:1 zurücklag, durch das insgesamt neunte Gegentor nach einer Ecke.
„Wir hatten lange überlegt, ob wir gleich mit frischen Kräften starten“, so der SC-Coach, „aber wir haben uns für diese Lösung entschieden, weil wir gesagt haben: Wenn wir reagieren, dann mit frischen Kräften und nicht mit Jungs, die Donnerstag länger gespielt haben.“ Nach der Pause kamen deshalb Verteidiger Philipp Lienhart, der nach seiner Bauchmuskelverletzung im Europa-League-Spiel erste Minuten in der Schlussphase hatte, und Rechtsaußen Cyriaque Irié, der gegen Genk gar nicht eingesetzt wurde, in die Partie. Linksaußen Derry Scherhant ersetzte nach knapp 70 Minuten Vincenzo Grifo.
„Ein großes Lob an alle Einwechselspieler, die haben Energie reingebracht“, freute sich Maximilian Eggestein nach dem 2:1-Erfolg durch einen Doppelpack von Igor Matanovic, gleichzeitig der erste Auswärtssieg in der Liga im neuen Jahr. Der sei aber „ein Kraftakt“ gewesen, weil alle vom Donnerstag noch „schwere Beine“ hatten. Irié und Scherhant hatten sie nicht. „Sie können durch ihr Eins-gegen-eins Räume schaffen, und wir haben dadurch ein Übergewicht erzielt“, erklärte Schuster.
Sechs Spieler unterwegs
Vor allem für Irié freuten sich die Kollegen und der Trainer, weil er durch seine Malaria-Infektion in der Hinrunde lange ausgebremst worden war. „Es war klar, dass er Anpassungszeit brauchen wird, aber jetzt ist er richtig angekommen und tut uns gut“, findet Eggestein. Das bestätigt der SC-Coach, der von „kleinen Momenten im Training“ berichtete, „wo er Deutsch spricht, seinen Humor zeigt – das widerspiegelt, dass er angekommen ist und die inhaltlichen Dinge versteht“. Auch Grifo sieht in dem 20-Jährigen einen „unfassbaren Spieler und tollen Mensch, der tagtäglich an sich arbeitet“ und gegen St. Pauli Spielsituationen geöffnet habe.
Grifo hat in seinem 300. Bundesligaspiel („Ich komme aus dem Feiern gar nicht mehr raus.“) zwar nicht getroffen, aber mit einem abgefälschten Schuss die Vorlage für Matanovics erstes Tor geliefert. „Ich wollte ins lange Eck schießen, und Igor stibizelt ihn rein mit seinen langen Zehen“, sagte der Italiener, „und das zweite Tor macht er sensationell, er steht da, wo ein Stürmer stehen muss.“ Der Vize-Kapitän war aber stolz auf das gesamte Team: „Das zeigt einfach den Charakter dieser Mannschaft, nach so einem Highlightspiel am Donnerstag diesen Kampf anzunehmen und als Gewinner vom Platz zu gehen.“
Für sechs Spieler ging es danach zu ihren Nationalmannschaften: Johan Manzambi (Schweiz), Igor Matanovic (Kroatien), Yuito Suzuki (Japan), Philipp Lienhart (Österreich), Cyriaque Irié (Burkina Faso), Bruno Ogbus (Schweizer U 21). Die anderen sollen sich in der Länderspielpause erholen für die kommenden Kraftakte, die im April in Form von drei englischen Wochen warten.
Und auch im Umfeld kann die Pause genutzt werden, findet Schuster. „Platz acht in der Liga, Viertelfinale in der Europa League und Halbfinale im DFB-Pokal – und trotzdem gibt’s noch kritische Stimmen“, hat der SC-Coach vernommen. „Da darf der eine oder andere die Länderspielpause nutzen, um sich zu hinterfragen und das große Ganze zu betrachten.“

