VfB-Profis geben sich überaus selbstkritisch

Während Sportchef und Trainer bei aller Enttäuschung Milde walten lassen, geben sich die Stuttgarter Profis nach dem 1:2 beim FC St. Pauli überaus selbstkritisch.

Erste Liga-Niederlage seit dem 13. Spieltag

Hamburg ist immer eine Reise wert. Wenn man als VfB Stuttgart nicht gerade beim Hamburger SV oder beim FC St. Pauli antreten muss. Beide Ausflüge in den Hohen Norden endeten für die Süddeutschen in dieser Saison mit einer Niederlage. Jeweils mit 1:2. Bei zwei Mannschaften, deren Ruf ihren aktuellen Tabellenplatz überstrahlt. Während die VfB-Profis streng mit sich ins Gericht gehen, geben sich die sportlich Verantwortlichen unzufrieden, aber verständnisvoll.

„Pauli hat uns den Schneid abgekauft.“ (Ermedin Demirovic)

„Wir haben schon am Anfang unsere Basics nicht so richtig auf den Platz bekommen“, sagt Ermedin Demirovic. „Wir haben viele Fehler gemacht, die wir sonst nicht machen. Dann hat Pauli uns den Schneid abgekauft.“ Eine Enttäuschung für den gebürtigen Hamburger, dessen komplette Familie aus HSV-Anhängern besteht. „Pauli war eklig in den Zweikämpfen, hat es gut gemacht, wir sind nicht richtig reingekommen. Dann fehlt überall ein Prozent, überall ein bisschen. So verliert man so ein Spiel.“

„Es gibt keine Ausrede. Wir haben die erste Hälfte verschlafen.“ (Atakan Karazor)

Dessen Ausgang der Kapitän „ernüchternd“ nennt. „Wir wussten, was auf uns zukommt, deshalb gibt es keine Ausrede“, meint Atakan Karazor. „Wir haben die erste Hälfte verschlafen.“ Und nach dem 0:2 nicht mehr den Anschluss geschafft. Dabei habe man sich „extrem viel vorgenommen. In der zweiten Hälfte haben wir viel probiert. Leider gelingt uns das Anschlusstor relativ spät. Sonst geht sicherlich nochmal mehr“.

Viel Selbstkritik, fast schon zu viel angesichts neun Pflichtspielen in vier Wochen mit respektablen sechs Siegen und jeweils einem Remis und einer Niederlage in den Beinen. St. Pauli war „ein Spiel und ein Gegner so unangenehm wie das Wetter“, meint Fabian Wohlgemuth etwas moderater. „Wir sind auf eine gallige, griffige Hamburger Mannschaft getroffen, die uns in vielen Momenten kaum Luft zum Atmen gelassen hat.“

Dem VfB fehlte an allen Ecken und Enden ein Stück

Die bei den Schwaben nach den anspruchsvollen englischen Wochen insgesamt knapp war und ebenfalls als Faktor herhalten darf. Ein paar Basics, wie sie Demirovic vermisst hat, „haben schon gefehlt. Aber das lag am Gegner, am hitzigen Stadion, an der leidenschaftlich verteidigenden St. Paulianer Mannschaft“, so der Sportvorstand, dessen Team unverkennbar über mentale und körperliche Ermüdung stolperte. Verlorene Laufduelle und Zweikämpfe, ungenaues Passspiel, leichte Ballverluste, insgesamt zu wenig Bewegung und zu viele Ungenauigkeiten. In allen Bereichen fehlte ein Stück. „Das war mal eines dieser Spiele, in denen möglicherweise auch die Belastung spürbar wurde“, sagt auch Sebastian Hoeneß.

„Das hatte nichts mit Charakter zu tun.“ (Sportchef Fabian Wohlgemuth)

Wohlgemuth will bei aller Enttäuschung nichts von einem verpatzten Charaktertest hören. „Sind wir schon wieder im Alarmmodus?, fragt der Sportchef gegenüber journalistischen Bedenkenträgern. „Wir haben nach vielen Wochen, in denen wir stabil waren, ein Spiel verloren. Das hatte nichts mit Charakter zu tun.“ Die erste Liga-Niederlage seit dem 0:5 gegen den FC Bayern am 13. Spieltag schmerze, sei aber „ein Spiel, das nicht ganz in die linear positiv verlaufene Kurve gepasst hat. Wichtig ist, dass wir das jetzt in die richtige Schublade packen und richtig analysieren“, so Wohlgemuth, der überzeugt ist, „dass wir nächste Woche schon wieder die richtigen und besseren Mittel finden“. Wenn es gegen den 1. FC Köln geht, von dem er eine ähnliche Spielweise, wie der Hanseaten erwartet. „Wir werden immer damit rechnen müssen, dass eine Mannschaft griffig, gallig und angezündet ist.“

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