Gegen RB Leipzig hätte Werder Bremen gerne den vierten Sieg aus dem fünften Spiel geholt, der war am Samstag aber nicht drin – zu sehr schlugen die eigenen Unzulänglichkeiten defensiv wie offensiv durch. Bemerkenswert scharfe Kritik an der allgemeinen Entwicklung des Vereins äußerte indes Mitchell Weiser.
Bremer beklagen fehlende Effizienz gegen Leipzig
Nach der 1:2-Niederlage gegen RB fehlten Romano Schmid ein wenig die Worte. Der Österreicher sprach am Sky-Mikro von einer „super Mannschaftsleistung“ und davon, dass man sich selbst um den eigenen Lohn gebracht habe. Der Grund lag auf der Hand: fehlende Effizienz. Die Hanseaten hatten ein klares Plus bei den Torschüssen (13:7), trafen aber nur einmal – und das auch noch tief in der Nachspielzeit, als es schon zu spät war.
Für Schmid war klar, dass diesmal „die bessere Mannschaft nicht gewonnen hat“. Die Niederlage müsse man sich aber selbst ankreiden, wusste auch Marco Friedl, der sich über das 0:1 sehr ärgerte. „Nie und nimmer“ hätte man das „extrem billige Tor“ schlucken dürfen, da man in dieser Situation vier gegen eins war, aber „wir kriegen die Beine nicht zu“. Hinzu kam dann, dass man die „vielen Abschlüsse, die man normalerweise gegen Leipzig nicht hat“, ungenutzt gelassen hatte.
Den Start in die zweite Halbzeit habe man dann direkt vergeigt, indem man das 0:2 kassierte. Anschließend habe man es „dann lange Zeit nicht gut gemacht. Es war sehr einfach, zu verteidigen, und deshalb haben wir verdient verloren. Unsere Leistung in der zweiten Halbzeit war nicht gut genug.“ Ähnlich äußerte sich auch Daniel Thioune, der sich über die Chancenverwertung beklagte und feststellte: „Wir haben aus viel – und gegen so eine Mannschaft war das viel – sehr wenig gemacht, das ärgert mich.“
Fokus auf Köln und das Derby
Weil Wolfsburg in Leverkusen 3:6 verlor und Heidenheim in Gladbach nur zu einem 2:2 kam, scheint die Niederlage für Werder bislang verschmerzbar, allerdings haben die Verfolger St. Pauli und Köln am Sonntag die Chance, punktemäßig heranzurücken oder im Kölner Fall sogar vorbeizuziehen. Der Effzeh ist dann auch der kommende Gegner der Hanseaten, ehe das Derby gegen den HSV ansteht – zwei eminent wichtige Spiele mit Blick auf das knackige Restprogramm der Bremer, die noch in Stuttgart, gegen Augsburg, in Hoffenheim und gegen Dortmund ranmüssen.
„Unser Fokus richtet sich auf die nächsten zwei Wochen, da geht es um einiges“, betonte dann auch Friedl und zeigte sich dabei „zuversichtlich, dass wir es schaffen“, Schmid wiederum meinte, dass man aus der Niederlage gegen RB auch Mut schöpfen könne, immerhin habe man „gegen einen Topklub auf Augenhöhe gespielt“.
Ungewohnt scharfe Kritik von Weiser
Werders Ziel ist der Klassenerhalt, doch das sei nicht das, wo der Klub eigentlich hingehört, wie in der Halbzeitpause Mitchell Weiser noch angemerkt hatte. „Der ganze Verein hat nach was anderem gestrebt als das, wo wir jetzt stehen“, sagte der 31-Jährige, der nach seinem Kreuzbandriss an seinem Comeback arbeitet und dessen Vertrag im Sommer ausläuft. Weiser bestätigte in diesem Kontext, dass es bereits Gespräche gegeben habe und er betonte, dass er noch nicht entschieden hat, was er machen möchte.
„In diesem Jahr und letzten Sommer sind viele Sachen passiert, die für mich fragwürdig waren“, merkte der erfahrene Abwehrmann an und verwies dabei auf die Trennung von Trainer Ole Werner sowie gefällte Kaderentscheidungen. „Wir trauern dem nach“, so Weiser weiter: „Das müssen wir aufarbeiten und verbessern. Ich warte auf Signale, dass wir wieder in die Richtung gehen, wo wir mit Ole ungefähr schon waren – ohne jetzt dem neuen Trainer zu nahe treten zu wollen.“
Fritz kündigt interne Aufarbeitung an
Weisers öffentliche Kritik an den Entscheidungen der Klubführung fiel ungewohnt offen aus, er betonte dabei aber zugleich, dass er sich am Osterdeich sehr wohlfühle und sich nichts lieber wünschen würde, „als mit Werder um etwas Großes zu spielen“. Das sei aber eben „nicht der Klassenerhalt. Bei allem Respekt. Wir waren auf einem Riesenweg und haben uns dieses Jahr in eine schwierige Situation gebracht. Werder gehört ins internationale Geschäft und da würde ich gerne dabei sein. Der Verein muss entscheiden, wohin er will.“
Sportchef Clemens Fritz meinte anschließend, dass er von Weisers Aussagen „zwar nur Bruchstücke mitbekommen“ habe, kündigte aber direkt eine interne Aufarbeitung an. Und er zeigte sich auch verwundert, schließlich habe man „vor ein paar Wochen ein offenes und ehrliches Gespräch gehabt. Für mich sind die Aussagen, die er jetzt getroffen hat, unverständlich. Aber ich muss mir das erstmal noch im Gesamtkontext anhören.“

