Daniel Heuer Fernandes ist bereits seit 2019 beim HSV, die Bedeutung des Stadt-Derbys hat der Torwart tief verinnerlicht und fiebert seit Wochenbeginn dem Freitagabend auf St. Pauli entgegen. Hinter ihm auf der Bank könnte dann erstmals Sander Tangvik sitzen. Mit dem Norweger ergibt sich eine neue Konstellation im Tor.
Kampf ums das HSV-Tor beginnt so richtig ab dem Sommer
Der 23-jährige norwegische Nationaltorhüter von Rosenborg Trondheim unterschrieb am Donnerstag einen Vertrag bis 2030 und ist den Hamburgern rund 2,5 Millionen Euro Ablöse wert. Mit Bonuszahlungen könnte der Preis noch steigen, und allein die Laufzeit, das Alter des Keepers und die gezahlte Summe belegen: Mit Tangvik verfolgt die sportliche Leitung einen langfristigen Plan. Aber was bedeutet die Verpflichtung für den Moment und für Heuer Fernandes?
Vertragsgespräche mit der aktuellen Nummer 1 stehen an
Klar ist: Anders als mit Daniel Peretz gibt es vorerst kein direktes Duell um den Platz im Tor. Der Israeli war im Sommer auf Leihbasis vom FC Bayern mit der festen Absicht gekommen, sofort zu spielen. Nachdem er den Zweikampf mit Aufstiegsheld Heuer Fernandes verloren und dieser das Vertrauen im bisherigen Saisonverlauf dann auch gerechtfertigt hatte, beendete Peretz zu Beginn des Jahres die Leihe und zog zum FC Southampton weiter. Mit Tangvik wird zumindest in dieser Saison nicht an der bestehenden Hierarchie gerüttelt. Heuer Fernandes bleibt, Gesundheit und Leistung vorausgesetzt, die Nummer 1.
In seinem ersten offiziellen Statement als HSV-Profi bekennt sich der Neuling zur bestehenden Hierarchie. „Ich hatte gute und offene Gespräche mit den sportlichen Verantwortlichen, in denen mir ein klares Konzept vorgestellt und meine Rolle im Torwartteam transparent skizziert wurde. Ich komme in ein funktionierendes Team, möchte täglich Energie reinbringen und da sein, wenn ich gebraucht werde.“ Auch Sportdirektor Claus Costa bestätigt die aktuelle Rangfolge: „Sander hat sich zu unserem Weg bekannt und ordnet sich in die bestehenden Torwart-Hierarchie ein.“
Tangvik ist in Norwegens Nationalelf aktuell die Nummer 3, hat mittelfristig große Ziele – und die hat der HSV auch mit ihm. „Wir haben mit Sander eine mittel- bis langfristige Lösung über den Sommer hinaus gefunden“, sagt Vorstand Eric Huwer und bekennt: „Dieser Aspekt war uns ganz wichtig, denn die Freigabe für Daniel Peretz erfolgte unter der Bedingung, dass wir uns auf der Torwartposition perspektivisch verstärken.“ Auch ohne Peretz‘ Winterwechsel wäre die Torwartbaustelle im Sommer wieder aufgegangen, nun ist sie zumindest zum Teil geschlossen – offen ist hingegen noch die Zukunft der aktuellen Nummer 1.
Konkrete Gespräche mit Heuer Fernandes stehen an
Der Vertrag von Heuer Fernandes endet im Juni. Im Herbst hatte der Deutsch-Portugiese erklärt, dass er Vertragsgespräche nicht erst im Frühjahr führen wolle, tatsächlich sind die Verhandlungen für Februar geplant – wenn die aktuelle Transferperiode beendet ist, soll mit dem langjährigen Leistungsträger konkret gesprochen werden und die Richtung war zumindest vor der Tangvik-Verpflichtung klar: Die Wertschätzung für Heuer Fernandes seitens des HSV ist groß, die Verbindung des gebürtigen Bochumers zu Stadt und Verein ebenso.
Und doch ist klar: Ab dem Sommer gäbe es ein offenes Duell um das HSV-Tor. „Sander besitzt eine starke Persönlichkeit“, lobt Costa, „er bringt mit seiner Größe, Reichweite und Athletik ideale Voraussetzungen mit. Wir sind von seinem Potenzial absolut überzeugt und wollen dieses in den kommenden Jahren bestmöglich ausschöpfen.“

