Seit Anfang des Jahres trifft Borussia Dortmund wieder regelmäßig nach Standardsituationen. Was sich geändert hat und warum der BVB dabei unausrechenbar bleibt.
Starke Verbesserung seit Jahresbeginn
Julian Brandt hätte es sich einfach machen können, das Lob wäre wohl noch größer geworden. Selbst Trainer Mirko Slomka als Co-Kommentator bei Sky war sich bei Ansicht des Führungstreffers sicher, dass die Variante der Ecke von Julian Ryerson auf den kurzen Pfosten und Brandts auffälliger Slalom-Laufweg zuvor einstudiert gewesen sei, doch der Torschütze widersprach.
„Nein“, sagte der 29-Jährige also auf entsprechende Nachfrage, es sei so nicht einstudiert, ein Zufall sei dieser Treffer aber auch nicht: „Es ist natürlich so, dass wir versuchen, den ersten Pfosten zu bespielen. Aber es ist auch menschlich, dass der Ball mal zu lang oder zu kurz kommt. Und in dem Fall war er einen Tick zu kurz.“
Nicht der erste Zielspieler, aber im Raum
Zu kurz für die wartenden Spezialisten wie Nico Schlotterbeck, Waldemar Anton oder Serhou Guirassy, aber genau richtig für Brandt, der qua seiner Anlagen auf dem Feld viel kann, trotz sauberer Technik aber wohl kein Kopfballungeheuer mehr wird: „Ich war nicht Zielspieler Nummer eins, bin aber trotzdem im Raum.“
Es passiert derzeit auffällig oft, dass ein Dortmunder Spieler nach ruhenden Bällen im Raum steht und dann auch noch erfolgreich vollendet. Sieben von 17 Toren seit Jahresbeginn und damit 41 Prozent der Treffer fielen nach Standards, drei durch Strafstöße, vier nach Ecken. Von den vergangenen neun Toren waren es sogar sechs auf diese Art und Weise. Mit der Folge, dass Ecken-Schütze Ryerson mit sieben Assists inzwischen auf dem geteilten sechsten Platz der besten Vorlagengeber der Liga steht.
Anstieg trotz Abschied
Das Kuriose dabei: Der deutliche Anstieg – im ersten Teil der Saison vor dem Jahreswechsel waren acht von 26 Treffern und damit 31 Prozent der Tore nach Standards gefallen – kam seit dem Abschied von Spezialtrainer Alex Clapham im Winter. Danach entwickelten Niko Kovac und sein Team einige neue Ideen.
Vor allem die „Arsenal-Variante“ der Eckstöße, die eng vors Tor kommen und bei denen Felix Nmecha als passiver Blockspieler den gegnerischen Keeper behindert, erwies sich dabei als extrem erfolgreich. Besonders wertvoll ist dabei, dass die Standards bei manch spielerischem Leerlauf im Dortmunder Spiel immer wieder den Bann brechen.
Acht Spieler für elf Treffer
Neunmal erzielte der BVB das 1:0 nach einem ruhenden Ball, das ist aktuell mit Abstand Ligaspitze. Dazu kommt, dass diese Stärke für die Gegner trotzdem äußerst schwer zu verteidigen ist. Ohne Elfmeter verteilen sich die elf Tore auf acht Ecken und drei Freistöße. Dabei trafen in der Folge gleich acht Spieler: dreimal Schlotterbeck, zweimal Anton, je einmal Aaron Anselmino, Carney Chukwuemeka, Nmecha, Brandt, Maximilian Beier und Ramy Bensebaini.
Einfach zwei oder drei Zielspieler besonders eng zu decken, bringt gegen Dortmund also wenig – zumal, wenn inzwischen sogar ausgewiesene Nicht-Spezialisten wie Brandt per Kopf erfolgreich sind.

