Der FC Bayern hat die beste Hinrunde der Bundesliga-Geschichte hingelegt. Wie das gelang – und warum die Guardiola-Ära eine Warnung ist.
Weitere Bestwerte in Aussicht
Ein kurzer Rückblick ins Jahr 2013: Der FC Bayern hat gerade das Triple gewonnen, Pep Guardiola von Jupp Heynckes eine Mannschaft auf ihrem Höhepunkt übernommen. Leistungsabfall? Im Gegenteil, der Katalane hebt das Spiel der Münchner auf die nächste Stufe, mit einer an Perfektion grenzenden Selbstverständlichkeit pflügt sein Team durch die Bundesliga, steht im Winter bei 47 Punkten und einer Tordifferenz von plus 35. Bereits am 27. Spieltag sicherte sich das Team die Deutsche Meisterschaft.
Eine Erinnerung als Einordnung, um zu verstehen, was die Mannschaft von Vincent Kompany bislang 2025/26 geleistet hat. Ob sie ähnlich früh Meister wird? Abwarten, das hängt schließlich auch von den Ergebnissen der Teams dahinter ab, das Wort Verfolger verbietet sich. Unbestritten ist die Dominanz der Münchner, die in der Liga nur zweimal wackelten, bei den Unentschieden bei Union Berlin und gegen Mainz, jeweils 2:2, eine Niederlage in den Schlussminuten abwenden konnte. Die Hinrunden-Bilanz nach dem 3:1 in Köln: 15 Siege, zwei Unentschieden, 47 Punkte, 66:13 Tore.
In Kompanys Team greift ein Rädchen ins andere. Es gefällt mit hohem Pressing, Zug zum Tor, einer Laufleistung von über 125 Kilometern pro Partie und Automatismen, die Rotation und Personalausfälle bzw. Wechsel erleichtern. Der Kader entpuppte sich entgegen mancher Befürchtung von außen nicht als zu klein, Neuzugänge wie Luis Diaz, Jonathan Tah und Tom Bischof schlugen ein, mit Top-Talent Lennart Karl hat ein Campus-Spieler den Durchbruch geschafft. Und dann ist da ja noch Harry Kane, mal Torjäger, mal Spielmacher, mal Ausputzer, meistens alles in allem. Der Engländer geht mit Beispiel voran, ist das Gesicht dieser Liga, weltweit.
Der Torrekord von 101 muss fallen
Geht es so weiter? Nur noch Restzweifel gibt es am 35. Meistertitel der Bayern, der ihnen nach menschlichem Ermessen nicht zu nehmen ist. Voraussetzung dafür wäre ein Einbruch der Bayern bei gleichzeitigem Lauf von Borussia Dortmund, dem Tabellenzweiten. Nebenbei bemerkt spricht es nicht für die Liga, dass dieses Durchschnittsteam lediglich gegen den FC Bayern verloren hat.
Anders gedacht: Was ist möglich für die Bayern in der Rückrunde? Hier fällt vor allem der Uralt-Rekord von 101 Saisontoren 1971/72 ins Auge, natürlich mit dem FCB als Inhaber. 35 Tore müssten die Erben von Gerd Müller und Co. in der Rückrunde zur Egalisierung schießen, bei bislang 66 erzielten – zehn mehr als der bisherige Hinrundenrekord von 56 – sollte das locker möglich sein.
Nicht auszuschließen ist der Punkterekord, den die Triple-Bayern von Heynckes aus 2012/13 mit 91 halten. Dafür dürften sie aber nach dem feststehenden Titel nicht nachlassen. Auch eine ungeschlagene Saison ist noch möglich, als zweites Team nach Bayer Leverkusen vor zwei Jahren. Andererseits ist es gut möglich, dass die Konzentration ab einem gewissen Zeitpunkt mit Blick auf den großen Vorsprung vor allem den anderen Wettbewerben gilt, alle Kraft in die Champions League und den DFB-Pokal investiert wird.
Das kann, muss aber nicht gutgehen. Guardiola hakte die Liga 2014 und 2015 nach vollbrachtem Titel ab, sein Team konnte die Spannung nicht hochhalten und schied in der Königsklasse jeweils im Halbfinale aus, 2015 gegen den FC Barcelona auch personell arg dezimiert. Kompanys Bayern werden so schnell nicht nachlassen und bleiben aktuell gefordert. Schon am Samstag bei RB Leipzig wartet eine knifflige Aufgabe, die Sachsen sinnen nach dem 0:6-Debakel bei der Saisoneröffnung auf Revanche.

