Eintracht-Mitgliederversammlung: Ultras zwischen berechtigter Kritik und Machtstreben

Am Montagabend findet die jährliche Mitgliederversammlung von Eintracht Frankfurt statt. Die Stimmung ist angespannt. Das liegt am Machtstreben der Ultras – und der ungebremsten sportlichen Talfahrt der Profifußballer.

Präsident wundert sich über den kicker

Die Mitgliederversammlung an diesem Montag birgt einige Brisanz. Über 2000 Mitglieder werden in der Frankfurter Jahrhunderthalle erwartet. „Anpfiff“ ist um 17.30 Uhr, vor Mitternacht wird die Veranstaltung voraussichtlich nicht enden. Es könnte ein denkwürdiger Abend werden.

Rund um das Heimspiel gegen Hoffenheim riefen die aktive Fanszene und die Ultras zum Erscheinen auf. Wichtigster Tagesordnungspunkt sind die Gremienwahlen (Verwaltungsrat, Wahlausschuss, Ehrenrat, Revisoren). Das ist normalerweise keine große Sache, doch seit einigen Jahren drängen die Ultras verstärkt in die Gremien und sind dort bereits vertreten.

Ultras wollen in den Aufsichtsrat

Schon am 4. Dezember 2025 berichtete der kicker: „Sorge vor Machtgewinn der Ultras.“ Laut Vereinssatzung schlagen Verwaltungsrat und Wahlausschuss alle vier Jahre die Präsidentschaftskandidaten vor. Dort ist festgelegt: „Jeder vorgeschlagene Kandidat bedarf der Mehrheit von jeweils zwei Dritteln der Mitglieder beider Gremien.“ Schon drei Ultras im achtköpfigen Verwaltungsrat hätten somit die Macht, einen Präsidentschaftskandidaten zu verhindern – oder Zugeständnisse für ihre Zustimmung zu verlangen. Dieses Szenario droht vorerst nicht, da der Wahlausschuss – zum Unmut der Ultras – nicht alle Kandidaten zur diesjährigen Wahl zuließ.

Eine Sperrminorität bei der Auswahl der Präsidentschaftskandidaten können sie deshalb nicht erreichen. Doch perspektivisch wollen die Ultras, die bereits einen Vize-Präsidenten stellen, weiter an Einfluss gewinnen, auch auf die Entscheidungen in der Fußball AG. In der aktuellen Ausgabe des Ultras-Hefts „Schwarz auf Weiß“ wird moniert, dass die „Zusammensetzung im Aufsichtsrat der Fußball AG nicht optimal“ sei.

Die Ultras bemängeln, keinen besseren Einblick in den vom Mutterverein ausgegliederten Profifußball zu erhalten: „Speziell, wenn es um die Belange der Fußball AG geht, hält man uns von gewissen Informationen fern und behütet diese wie Onkel Dagobert seinen Geldspeicher.“ Diese Kritik ignoriert, dass in einer AG Geschäftsgeheimnisse gesetzlich geschützt sind und nicht einfach ausgeplaudert werden dürfen. Auch nicht in Gremien des e. V.

Wohl auch deshalb wird der Einzug in den Aufsichtsrat angestrebt, daraus machen die Ultras kein Geheimnis: „Der e. V. als ‚Hauptaktionär‘ besetzt diesen Aufsichtsrat mit, es gibt also einen direkten Hebel über das Präsidium und die Gremien. Und ja, wir finden, dass auch die Fans der Eintracht dort mitreden (mitreden, nicht ‚die Macht übernehmen‘!) sollten, denn wir sind ein ebenso wichtiger Bestandteil der Eintracht wie Geldgeber, Experten oder Vereinsgremien.“

Berechtigtes Misstrauen der Ultras

Es brauche „möglichst viel Kontrolle“, vor allem von Personen, „die nicht bei oder mit der Eintracht ihr Geld verdienen und damit zwangsläufig in einer gewissen Abhängigkeit stehen“. Die Eintracht dürfe kein „Selbstbedienungsladen“ werden. Die Krux: Ein Posten im Aufsichtsrat wird mit mehreren zehntausend Euro jährlich vergütet. Im Geschäftsjahr 2023/24 erhielt das neunköpfige Gremium Vergütungen in Höhe von 490.000 Euro. Säßen einer oder mehrere Ultras im Aufsichtsrat, wären auch sie Teil des Geschäfts.

In Teilen ist das Misstrauen der Ultras verständlich. Unter anderem schreiben sie: „Eintracht Frankfurt ist gerade in einer wegweisenden Situation für die Zukunft. Beispielsweise, ob das wirtschaftliche Konzept unserer Fußball AG bei immer weiter steigenden Kosten im sportlichen und nicht-sportlichen Bereich tragfähig bleibt.“

Auch der kicker fragte im vergangenen Herbst nach Bekanntgabe der rasant steigenden Personalkosten: „Wie riskant ist Frankfurts Wachstumsstrategie?“ Angesichts der jüngsten sportlichen Entwicklung stellt sich diese Frage mehr denn je. Das Preis-Leistungs-Verhältnis des Kaders ist in Schieflage geraten. Beim Verpassen des internationalen Wettbewerbs droht ein unheilvoller Mix: erhöhter Verkaufsdruck bei zugleich sinkenden Marktwerten der Spieler.

Hinzu kommt: Nach kicker-Informationen beliefen sich die Vorstandsgehälter im vergangenen Geschäftsjahr 2024/25 auf etwa zehn Millionen Euro – das ist selbst verglichen mit einem Spitzenklub wie Borussia Dortmund eine Menge. Die Verantwortung dafür trägt der Aufsichtsrat. Das kann man hinterfragen und kritisieren, vielleicht muss man das auch. Zur Einordnung: Beim BVB erhielt die ebenfalls vierköpfige Geschäftsführung 2024/25 eine Gesamtvergütung in Höhe von 7,8 Millionen Euro.

Ultras als moralische Instanz?

Die Ultras betonen, dass der Verein seine „grundlegenden Werte“ nicht vergessen dürfe. Im „modernen Fußballsystem“ solle „so etwas wie eine kleine Insel“ geschaffen werden, schreiben sie und beschwören „ein Gemeinschaftsgefühl“ aller Fans. Auch die Bedeutung der Eintracht als „großer Breitensportverein“ wird hervorgehoben. Das klingt liebevoll und romantisch. Die Eintracht als heimeliges Lagerfeuer für alle. Friede, Freude, Eierkuchen.

Doch zur martialischen Selbstvermarktung im Stadion passen die blumigen Worte nicht. Erinnert sei an die homophoben Gesänge beim Auswärtsspiel in Köln in dieser Saison, Hass und Hetze gegen die Polizei, Gewaltaffinität und Schlägereien, das massenhafte wie kostspielige Abbrennen von Pyrotechnik, die Selbstinszenierung als „Randalemeister“, Fan-Ausschlüsse wie jüngst in Baku. Mit welchen Werten des Sports und des Vereins lässt sich diese aggressive Grundhaltung vereinbaren? Nicht alle, aber viele normale Eintracht-Fans haben längst die Nase voll von den Ultras. Mit ihren Grenzüberschreitungen stellen sie sich selbst ins Abseits – und disqualifizieren sich als moralische Instanz.

Es liegt also Spannung in der Luft, wenn aktive Vereinssportler, normale Mitglieder, Ultras und andere Vertreter der aktiven Fanszene am Montagabend in die Jahrhunderthalle strömen. Vorstandssprecher Axel Hellmann und Präsident Mathias Beck bekamen in dem Ultras-Heftchen im Vorfeld bereits Kritik ab. Beide werden später am Rednerpult stehen. Ein dickes Fell brauchen sie nicht nur, weil es draußen schneit.

Beck geht vor der Mitgliederversammlung auf Kuschelkurs zu den Ultras. In einem an diesem Montag erschienenen Interview in der FAZ umschifft er mehrfach kritische Nachfragen und verweist stets auf den für Fanangelegenheiten zuständigen AG-Vorstand Philipp Reschke.

In einem ebenfalls an diesem Montag beim Hessischen Rundfunk erschienenen Audio-Interview äußert sich der Präsident zudem „sehr verwundert“ über die Berichterstattung des kicker. Zum eingangs erwähnten Artikel („Sorge vor Machtgewinn der Ultras“) sagt er: „Ich konnte diesen Artikel nicht nachvollziehen.“ Eine erstaunliche Aussage, da der kicker Anfang Dezember aus dem e. V. von den Sorgen innerhalb des Vereins erfuhr. Beck scheint bei den Ultras auf gut Wetter machen zu wollen. Ob sie ihm das eines Tages danken, steht auf einem anderen Blatt. Die kritischen Töne in der neuesten „Schwarz auf Weiß“-Ausgabe lassen anderes vermuten.

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