Der 1. FC Heidenheim steht bereits abgeschlagen am Tabellenende der Bundesliga. Für Coach Frank Schmidt vor dem Duell in Augsburg kein Grund, in Unruhe zu verfallen.
Niklas Dorsch gegen alten Arbeitgeber auf der Kippe
Dass in Heidenheim immer noch Licht brennt, das weiß man spätestens nach den Pressekonferenzen vor den Partien, Woche für Woche, bei denen es selten eine gab, an der Trainer Frank Schmidt nicht Feuer und Flamme gewesen wäre für seinen FCH. Dennoch: Die Lage ist ernst wie nie in Heidenheim, bereits sechs Punkte sind es zum Relegationsplatz 16, vier ist man hinter dem Vorletzten St. Pauli zurück, dazu kommt noch das schlechteste Torverhältnis. Freiwillig aufgeben werde beim FCH aber niemand, das stellte der Trainer noch einmal klar. Am Sonntag (15.30 Uhr) muss Heidenheim in Augsburg antreten.
Niklas Dorsch ist die gesamte Woche krank ausgefallen, ausgerechnet vor dem Duell gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber. Sein Einsatz ist mehr als fraglich. Mathias Honsak fehlte wegen Oberschenkelproblemen, auch sein Einsatz beim FCA ist stark gefährdet. Dritter im Bunde ist Leonidas Stergiou, den ebenfalls noch muskuläre Probleme plagen.
Der Glaube der Fans an den Klassenerhalt scheint ungebrochen: rund 2000 Heidenheimer werden ins nahegelegene Augsburg mitreisen. „Die glauben an uns, sonst würden sie zu Hause bleiben und deswegen möchten wir sie nicht enttäuschen“, so Schmidt zur Unterstützung in Augsburg.
Schmidt unterstreicht, dass der Kampf für ihn längst noch nicht vorbei ist: „Ich wüsste nicht, warum wir jetzt aufgeben sollten mit sechs Punkten Rückstand. Das wäre ja tragisch, wenn wir so denken würden“, sagte Schmidt, der anfügte, dass man sich über die schlechte Ausgangslage durchaus bewusst sei. „Was hilft? Punkte und Siege und da haben wir am Sonntag die nächste Chance dazu.“
Jetzt kommt es auf die richtigen Spieler an
Schmidt ist nicht genervt von der Berichterstattung über seinen FCH und der Tatsache, dass immer weniger Menschen an den Klassenerhalt glauben. „Ich verstehe, dass nach diesem punktetechnisch schwachen Start ins Jahr Zweifel da sein können. Die haben wir auch immer mal wieder. Trotzdem arbeiten wir daran, dass die Mannschaft an sich glaubt“, sagt Schmidt, der einen Blick in die Trainingswoche zuließ.
Häufig sei es in den vergangenen Wochen trotz der vielen Niederlagen recht homogen zugegangen, in dieser Woche war es dagegen durchaus heterogener, wie Schmidt es nannte. „Es können nicht alle mit dieser Situation gleich umgehen. Die Niederlage gegen den HSV ist eine große Enttäuschung gewesen“, so Schmidt. Es gebe aber Spieler, die die Ärmel hochkrempeln und weitermachen. „Genau auf diese Spieler müssen wir setzen. Es wird nicht einfacher, der Druck wird größer. Aber nochmal: Hier gibt keiner auf!“
Psychologisch werde es in Heidenheim recht pragmatisch gehandhabt: „Wir arbeiten mit gesundem Menschenverstand. Wir zeigen nicht mit dem Finger auf den Schuldigen, wir sind alle schuld“, so Schmidt. Gleichzeitig stehe aber auch jeder in der Verantwortung. „Es gibt für verschiedene Situationen unterschiedliche Charaktere und Typen. Wir nehmen jeden mit, lassen keinen allein. Wir selbst haben uns in diese Situation gebracht“, macht der 52-Jährige deutlich.
Die Statistik ist nicht Heidenheims Freund
Die Statistik der vergangenen Jahre lässt die Heidenheimer nicht gerade optimistisch in die Zukunft blicken. Nach 21 Spieltagen stehen für Heidenheim nur 13 Punkte zu Buche. Nur ein Team konnte sich in der Drei-Punkte-Ära mit einer mindestens so schwachen Ausbeute zu diesem Saisonzeitpunkt noch retten: Mainz in der Saison 2023/24. Die Rheinhessen hatten damals sogar nur zwölf Punkte nach 21 Spieltagen gesammelt. Am 22. Spieltag feierte der FSV dann einen 1:0-Heimsieg gegen Augsburg.
Dahin reist jetzt auch Heidenheim. Die restlichen 15 Teams mit 13 oder weniger Punkten nach 21 Spieltagen stiegen jeweils direkt ab. Konfrontiert mit dieser Statistik sagt Schmidt: „So etwas lese ich nicht und so etwas ist auch nicht wichtig. Selbst, wenn es noch keine Mannschaft geschafft hätte, würde ich daran glauben, dass man es schaffen kann.“ Genau dieses „Unmögliche“ habe den FCH schon häufig begleitet – immer wieder habe er aber bewiesen, dass doch etwas möglich war. „Ich habe schon immer gesagt, dass das Spiel erst aus ist, wenn der Schiedsrichter abpfeift. Das Gleiche kann man für diese Saison sagen“, so Schmidt weiter.
Eine nette Metapher hatte Schmidt aber noch parat, besser gesagt, seine Frau: „Sie hat neulich gesagt, dass es sich anfühlt wie ein Goldfisch im Piranha-Becken. Das trifft es ganz gut, da wir es mit unseren Mitteln schwerer haben. Wir haben nicht die Möglichkeiten, nicht die Historie, nicht die Größe und kämpfen mit anderen Mitteln in der Bundesliga. Es gibt keine Selbstverständlichkeit, dass der FCH jedes Jahr in der Bundesliga spielt“, sagt Heidenheims Trainer. Wenn es den FCH irgendwann aber mal erwischen sollte, „dann darf das nie zu einer Enttäuschung führen“, so Schmidt. Und so gehen sie es an in Augsburg, erneut, um dennoch den Klassenerhalt zu schaffen, wenn auch sonst niemand mehr daran zu glauben scheint.

