Mit 35 Jahren hat Timothy Chandler noch eine Saison in Frankfurt angehängt. Der Rechtsverteidiger will auch ohne viel Spielzeit wieder einmal mit gutem Beispiel vorangehen und für positive Stimmung sorgen. Für Jonathan Burkardt feilt er noch am passenden Willkommens-Ritual.
SGE-Routinier lobt Franzosen
Vor 1000 Fans absolvierte Eintracht Frankfurt am Freitag das erste öffentliche Training der Saison. Dabei fehlten wie schon am Mittwoch neben den 13 Nationalspielern (Urlaub) die verletzten Tuta, Mario Götze und Jessic Ngankam sowie der angeschlagene Krisztian Lisztes und diesmal auch Niels Nkounkou, der nach dem Training am Morgen eine Einheit im Kraftraum einlegte.
Nach dem Training nahmen sich die SGE-Profis Zeit für den Anhang, verteilten Autogramme und knipsten fleißig Bilder. Ganz besonders gefragt war dabei unter anderem SGE-Urgestein Timothy Chandler. Der 35-Jährige, der mit Ausnahme von vier Jahren beim 1. FC Nürnberg seit 2001 im Klub ist, hat auch als alter Hase noch „richtig viel Bock“, wie er im Nachgang betonte.
Dem Rechtsverteidiger winken in der anstehenden Saison erneut kaum Spielminuten, in der letzten Saison waren es gerade einmal 22 verteilt auf drei Einsätze. Doch Chandler macht sich für die SGE auf andere Weise bezahlt – zum Beispiel wenn es darum geht, Neuzugänge zu integrieren.
Chandler über Burkardt: „Ich glaube, der macht einiges mit“
So auch Jonathan Burkardt, der am Freitag seinen 25. Geburtstag feierte und nicht nur von der Mannschaft, sondern auch von den Fans ein Ständchen bekam. Auf den speziellen Chandler-Empfang muss der Ex-Mainzer aber noch warten.
„Ich muss erstmal gucken, wozu die Spieler bereit sind. Man kann nicht jeden gleich anfassen, deswegen dauert das noch ein paar Tage und im Trainingslager werde ich dann gucken, was geht“, blickte der Routinier auf mögliche Willkommens-Rituale für Burkardt und gab sich optimistisch: „Er ist ein Malle-Typ, ich glaube, der macht einiges mit.“
Doch Chandler hat seinen Vertrag natürlich nicht nur zur Bespaßung der Kollegen um ein weiteres Jahr verlängert. Der gebürtige Frankfurter fühlt sich „topfit“ und untermauerte das bislang im Training. „Ich war unter den besten bei allen Lauftests“, betonte Chandler. „Wenn der Trainer mir die Chance gibt, dann bin ich da für die Mannschaft, das ist das Wichtigste.“
Chandler will, „dass die Stimmung passt“
Und wenn Dino Toppmöller es nicht tut, dann wird auch das der Motivation von Chandler keinen Abbruch tun. „Dann versuche ich trotzdem im Training den Druck und das Level hochzuhalten für die Jungs, die auch hinten dran sind. Und natürlich geht es mir auch darum, dass die Stimmung passt.“
Bei möglicherweise enttäuschten Spielern will er weiter als gutes Vorbild vorangehen. „Für mich ist es wichtig, dass die Jungs, die vielleicht hinten dran sind, oder bei denen im Raum steht, dass sie vielleicht noch gehen, trotzdem ins Training reingehen und Gas für sich selbst geben. Wenn sie das nicht tun, dann werde ich auch ein bisschen ungemütlich.“
Apropos ungemütlich: So verlief auch der Abgang von Randal Kolo Muani im Sommer 2023 in Richtung PSG – Streik inklusive. In diesem Sommer ist die Zukunft von Hugo Ekitiké, dem nächsten französischen Top-Stürmer, ungewiss. Eine Posse wie vor zwei Jahren erwartet Chandler diesmal allerdings nicht. „Das denke ich bei ihm wirklich nicht. Er ist da ganz offen und solange er hier ist und wenn er hier bleibt, wird er alles für die Eintracht tun. Das nehme ich ihm voll ab“, gab sich Chandler überzeugt. „Er sagt: ‚Wenn etwas passiert, dann passiert etwas.‘ Aber er ist noch in Frankfurt und solange er hier ist, wird er weiter Gas geben. Er ist ein sehr guter Junge.“
Traum vom Titel und von Anfield
Ob mit oder ohne Ekitiké, die Marschroute der Adler sei auch im kommenden Jahr klar. „Ich sehe etwas Gutes in der Mannschaft. Wir wollen auf jeden Fall in allen Wettbewerben weit kommen und wenn alles gut läuft auch einen Titel mitnehmen“, unterstrich Chandler und blickte mit ganz besonderer Vorfreude auf die Champions League, in der er Dank der Local-Player-Regelung wohl einen Kaderplatz sicher hat. „Ich kann die Auslosung kaum noch erwarten. Die Änderung der Gruppenphase finde ich mittlerweile ganz cool, das dachte ich am Anfang auch nicht.“ Am 28. August werden die Kugeln gezogen. Das Wunsch-Los: „Für mich wäre es ein Traum, einmal in Liverpool zu spielen. Das wäre etwas Unglaubliches.“