St. Paulis Kaars ist der öffentlichste Transfer des Jahres

Die Suche nach Verstärkung für den Angriff war die letzte noch offene Baustelle in den Transferplänen von St. Paulis Sportchef. Mit Magdeburgs Martijn Kaars ist er fündig geworden. Dass dies bekannt wurde, entspringt einem beinahe unglaublichen Vorgang.

Magdeburg erstattet nach E-Mail-Foto Anzeige

St. Pauli hatte für den inzwischen transferierten 26-jährigen Niederländer, der in der vergangenen Zweitliga-Saison 19 Tore erzielt und auch in der laufenden Spielzeit bereits zwei Mal getroffen hat, ein konkretes Transferangebot abgegeben. Das wusste die Fußball-Welt schnell – weil am Mittwochabend rund um das Regionalliga-Spiel der FCM-Reserve gegen den BFC Dynamo (4:3) Fans eine E-Mail auf dem Laptop von Magdeburgs Sport-Geschäftsführer Otmar Schork abfotografiert und ins Internet gestellt hatten.

Absender der veröffentlichten Nachricht war der Leiter von St. Paulis U 23, Carsten Rothenbach, einer der engsten Mitarbeiter von Sportchef Andreas Bornemann. In dessen Auftrag hatte er Schork angeschrieben und im Anhang das Kaufangebot samt Frist mitgeschickt. Es ging außerdem um die detaillierte Transferabwicklung und den Plan, wann der Angreifer den Medizincheck absolvieren solle. Kaars war mittlerweile auf dem Weg nach Hamburg, um den Transfer zu vollenden.

Magdeburg und Schork haben Anzeige erstattet

Die Magdeburger bestätigen die Abwicklung des Spielerwechsels am Donnerstagabend (Schork: „Für uns sportlich ein herber Verlust“), hatten schon wenige Stunden zuvor mit einer Presseerklärung auf den Vorgang reagiert. „Der 1. FC Magdeburg ist zutiefst empört darüber, dass ein Foto einer E-Mail ohne Einverständnis und von außen durch ein Fenster, das durch eine fast komplett heruntergelassene Jalousie verdunkelt war, angefertigt und verbreitet wurde.“

Deshalb hat der Zweitligist rechtliche Schritte veranlasst. „Hierfür gibt es klare gesetzliche Regelungen, die eine Veröffentlichung oder Weitergabe solcher Inhalte ausdrücklich verbieten. Aus diesem Grund haben wir bereits Anzeige bei der Polizei erstattet.“

Schork wird in der Mitteilung deutlich: „Mit diesem Verhalten hat diejenige Person, die das Foto gemacht hat, dem FCM massiven Schaden zugefügt. Auch ist das Verhalten keineswegs im Sinne unserer treuen Fans. Wir stellen uns ernsthaft die Frage, welche Formen der Effekthascherei mittlerweile angenommen hat. Offensichtlich wird bewusst in Kauf genommen, Persönlichkeitsrechte zu verletzen, um kurzfristige Aufmerksamkeit zu erlangen. Diese Entwicklung kritisieren wir aufs Schärfste.“

St. Pauli hat mit Kaars die letzte offene Planstelle im Kader besetzt und im Angriff damit neben den zuletzt gesetzten Andreas Hountondji und Mathias Pereira Lage eine zusätzliche Konkurrenzsituation geschaffen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert