Baumann legt die Finger in die Wunde: „Wir sind sehr sorglos“

Die TSG Hoffenheim schlittert zusehends in die Krise, die sich nicht mehr alleine auf die Resultate beschränkt. Kapitän Oliver Baumann spricht die Defizite knallhart an.

Nach Hoffenheims Fehlstart

Vorne die Chancen nicht effizient zu nutzen, ist die eine Sache. Das hilft natürlich nicht unbedingt, Spiele zu gewinnen. Aber deswegen muss man sie noch lange nicht verlieren. Das tut die TSG Hoffenheim aber mit einer Konsequenz, weil genau die ihr vor allem im eigenen Strafraum fehlt. Und deshalb müssen die Kraichgauer nach vier Niederlagen in sechs Pflichtspielen einen veritablen Fehlstart bilanzieren. Die Art und Weise gibt nicht nur Kapitän Oliver Baumann zu denken.

„Fußballerisch war das einfach auch viel zu schlecht heute“, bemängelte der TSG-Kapitän am Sonntagabend nach dem Rückschlag in Paderborn (1:3) am DAZN-Mikrofon, „aber die größte Sorge macht mir auch das größte Thema, das wir haben, und das ist einfach, wie viel Gewicht wir ins Verteidigen legen. Das ist viel zu wenig. Wir sind da sehr sorglos.“ Zehn Gegentore nach vier Bundesligaspielen hat sich die TSG bereits eingefangen. Das Bedenkliche daran ist, dass die Gegner dazu deutlich weniger Gelegenheiten benötigen als die Hoffenheimer Angreifer vorne, die aus der Vielzahl der Chancen erst sieben Tore produzierten.

Burger: „Wir sind aktuell kein Topteam.“

Auch Führungsspieler Wouter Burger übt deutliche Selbstkritik. „Wir haben die Gegentore sehr einfach kassiert, hatten zu viele Ballverluste und die Bälle zu leicht verloren. Es ist nicht der Saisonstart, den wir uns vorgestellt haben. Es gibt einige Dinge, die wir verbessern müssen. Wenn wir den Ball verlieren, werden wir zu schnell ausgekontert. Hinten hatten wir zu oft eine Unterzahlsituation“, analysierte der Niederländer, „wir brauchen vorne zu viele Chancen, um zu treffen. Unsere Gegner machen es deutlich besser. Wir wussten, dass es diese Saison härter wird. Wir sind aktuell kein Topteam. Jeder muss an sich selbst arbeiten. Wir müssen uns schnell verbessern, das ist wichtig.“

Nun könnte man systematisch an den Defiziten arbeiten und die defensiven Abläufe verfeinern – wenn nicht die Mannschaft zu großen Teilen auf Länderspielreise wäre. „Die Jungs, die bei der Nationalmannschaft sind, sollen den Kopf freibekommen. Wir müssen danach knallhart Dinge angehen, damit wir uns verbessern. Und das müssen wir aber knallhart angehen und auch sehr, sehr schnell verbessern“, warnt Baumann, wohlwissend, dass Trainer Ilzer und seinem Team angesichts der Fluktuation erst mal die Hände gebunden sind.

„Wir müssen schon hart und ehrlich zueinander sein.“ (Oliver Baumann)

„Ich will mir schon Gedanken machen, wie ich der Mannschaft helfen kann, was ich ihnen mit auf den Weg geben kann“, rätselte der 36-Jährige nach dem Schlusspfiff in Paderborn, „wir müssen auf jeden Fall dahin kommen, dass wir nicht denken, dass eine gute Saison reicht. Wir sind in einer Phase, wo wir einfach ins Bestätigen kommen müssen, jeder muss seine Leistung irgendwo bestätigen. Für viele war es auch das erste Jahr Bundesliga und viele sind in so einer Bestätigungsphase.“

Avdullahu, Machida und Hajdari agierten viel zu fehlerhaft

Damit meint der Routinier etwa Kandidaten wie die diesmal in Paderborn viel zu phlegmatischen und fehlerhaften Leon Avdullahu, Koki Machida oder den eingewechselten Albian Hajdari. Insgesamt aber muss der Hoffenheimer Verbund im Spiel gegen den Ball sehr schnell sehr viel kompakter und zuverlässiger werden, sonst wird all die ansehnliche Offensivkunst letztlich brotlos sein. „Sie dürfen sich nicht verrückt machen lassen, aber wir müssen schon hart und ehrlich zueinander sein“, mahnt Baumann, denn von der starken Vorsaison mit Platz fünf zu zehren, ist ein Trugschluss.

„Natürlich sind wir sehr, sehr enttäuscht heute, wir haben schon einiges vermissen lassen, speziell in der ersten Hälfte“, betonte auch Sportgeschäftsführer Andreas Schicker, „dann hilft es am Ende auch nichts, dass du dominant spielst und den Gegner reindrückst, wenn du die Tore hinten so einfach kriegst und vorne dann die letzte Konsequenz fehlt. Das ist schon ein Thema, an dem müssen wir arbeiten, weil das gerade in beiden Strafräumen, ob offensiv oder defensiv, in den ersten Spielen der Saison nicht gut war. Jetzt müssen wir da durch, durch diese schwierige Phase, ich bin trotzdem zu 100 Prozent überzeugt von unserem Weg.“ Der wird kein leichter sein nach diesem missratenen Saisonstart.

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