Im Nachholspiel beim HSV und der Partie in Freiburg steht Bayer 04 extrem unter Zugzwang. Doch Trainer Kasper Hjulmand schiebt den Druck beiseite und lächelte ihn wie die offensichtlichen Probleme seiner Mannschaft einfach weg.
Bayer-Coach mit dem Xabi-Alonso-Move
Sechs Punkte Rückstand auf Platz 4 und die damit verbundene Qualifikation für die Champions League. Zuletzt drei schwache bis erschreckende Auftritte in Liga und Königsklasse, in denen Bayer ein ganzer Treffer gelang. Bayer 04 und Kasper Hjulmand stehen an einer wegweisenden Kreuzung in dieser Saison. Am Mittwoch im Nachholspiel beim HSV und am Samstag beim SC Freiburg darf sich der Tabellensechste keinen weiteren Ausrutscher erlauben.
Droht doch sonst eine noch größere Kluft zu den Champions-League-Plätzen aufzureißen. Erst recht, da in der kommenden Woche der FC Bayern München in der BayArena gastieren wird. Und dieser Mix aus dem gefährdeten wichtigsten Saisonziel und wiederholt dürftigen Auftritten setzt natürlich auch den verantwortlichen Trainer unter Druck.
„Es geht schnell“, antwortet Hjulmand am Dienstag mit einem lakonischen Lächeln auf die Frage nach dem Druck und fuhr fort: „Um ehrlich zu sein, denke ich nicht darüber nach und werde auch nie darüber nachdenken. Ich bin nicht hier, um einen Job zu haben.“
Der 53-Jährige möchte den bevorstehenden zwei Partien keine erhöhte Bedeutung und Brisanz zugestehen. „Ich denke darüber nach, wie ich mich auf das Spiel morgen vorbereiten und ein gutes Spiel machen kann. Sie können mich das auch fragen, wenn wir die nächsten zehn Spiele verlieren oder gewinnen, ich werde immer dasselbe antworten.“
Wie sehr er seine Mannschaft und sich in Hamburg und Freiburg unter Zugzwang sehe? „Wir werden alles tun, um zu gewinnen. Das ist mein Fokus. Ich glaube nicht, dass wir besser oder schlechter spielen, wenn wir während des Spiels an die Tabelle denken“, antwortete Hjulmand.
„Wir haben viele Dinge, die sehr, sehr gut sind, sehr präzise, auf einem sehr hohen Niveau.“ (Kasper Hjulmand)
Grundlegendes möchte er dafür nicht ändern. Weder an den Abläufen noch an seiner Ansprache. Auch Nachfragen zu diesen Themen lächelte Hjulmand weg, so wie er den Druck und die Probleme seiner Mannschaft kleinredete. Vielmehr zeichnete er das Bild einer Mannschaft, die eigentlich gut funktioniert.
„Ich denke, wir haben viele Dinge, die sehr, sehr gut sind, sehr präzise, auf einem sehr hohen Niveau“, argumentierte der Däne, „wir sind die Nummer drei in der Liga, was die xGoals-Differenz angeht, und die Nummer zwei, was die xGoals gegen uns angeht. Viele Dinge funktionieren also, aber wir müssen nach einigen Dingen suchen, die uns weiterbringen können. Ich finde es ganz normal, dass es über eine Saison so läuft.“
Hjulmands Worte klingen besser, als Bayer zuletzt spielte
Normal ist der derzeitige Leistungslevel der Werkself in jedem Fall nicht. Hjulmands Beschreibung seiner Mannschaft hörte sich deutlich besser an als das, was man während der 90 Minuten zuletzt von ihr auf dem Rasen sah. Doch der Trainer verweist darauf, dass Bayer von seinen jüngsten zehn Partien nur eine verloren habe.
Die andere Wahrheit ist aber auch, dass Leverkusen nur eines seiner jüngsten vier Bundesligaspiele gegen die vier Abstiegskandidaten Gladbach (1:1), St. Pauli (4:0), Union Berlin (0:1) und Mainz (1:1) gewann und dabei sieben von zwölf möglichen Punkten verspielte. Zudem hat Bayer 04 im Jahr 2026 mit drei Unentschieden und vier Niederlagen mehr Spiele nicht gewonne als Siege eingefahren, nämlich sechs.
Der Xabi-Alonso-Move
Doch auch wenn der frühere dänische Nationaltrainer versuchte, mit seinen Aussagen Ruhe und Souveränität auszustrahlen, so sendete er doch ein klares Zeichen, dass ihm bewusst ist, wie wichtig die kommenden Partien für Bayer 04 und auch für ihn sind. So gab Hjulmand, der sonst bislang deutsch sprach, diesmal bei der Pressekonferenz all seine Antworten auf Englisch.
Eine Maßnahme, die einst Xabi Alonso als Bayer-Trainer immer dann ergriff, wenn es um aus seiner Sicht wirklich wichtige Themen jenseits des Tellerrands der 90 Minuten ging. Um sich genauer ausdrücken zu können. Um auf keinen Fall missverstanden zu werden. Und um keinen Fehler zu begehen. Dabei sprach Hjulmand am Dienstag doch eigentlich nur über ein ganz normales Bundesliga-Spiel…

