Das vierte Saisontor war für Patrick Wimmer in mehrerlei Hinsicht ein besonderes. Der Sieg in Berlin steigert im Abstiegskampf der Bundesliga das Selbstvertrauen beim 24-Jährigen und den zuletzt so gebeutelten Niedersachsen.
Wolfsburgs Österreicher trifft wie im Hinspiel und denkt an seine Frau
Gerade einmal fünf Schüsse aufs Tor und ein x-Goal-Wert von 0,19 waren es am Ende – die vermeintliche Ausbeute eines erfolglosen Abstiegskandidaten. Nicht so am Samstag in Berlin. Mit genau diesen Werten gelang dem VfL Wolfsburg in höchster Not der heißersehnte Sieg. 2:1 gegen Union – und wieder hatte ein Spieler einen besonderen Anteil.
Denn wie schon in der Hinrunde gegen denselben Gegner erzielte Patrick Wimmer den Führungstreffer, wieder in der Anfangsviertelstunde. Brauchte der Österreicher diesmal an der Alten Försterei elf Minuten, so waren es beim Hinspiel in der Volkswagen-Arena nur deren zehn. Endstand damals, am 6. Dezember 2025: 3:1 für die „Wölfe“.
Trainer Dieter Hecking hatte Wimmer diesmal etwas weiter ins Zentrum seiner Formation gezogen. Und das mit Erfolg, startete dieser doch auf Vorlage von Joakim Maehle noch aus der eigenen Hälfte heraus zu einem Solo, das er aus rund 20 Metern mit einem fulminanten Schuss per Außenrist in den linken Torwinkel abschloss. „Ich bin sowieso nicht der laufstärkste Spieler. Heute habe ich gemerkt, dass man in der Mitte noch etwas mehr zu laufen hat“, stellte der Schütze hinterher schmunzelnd fest, freute sich aber viel mehr über seine glanzvolle Einzeltat. „Ich bin durch zwei, drei Spieler durchgegangen, habe mich selbst etwas gewundert, wie ich den Ball treffe. Ich bin froh, dass er dann so reingerutscht ist.“ Dass er später humpelnd vorzeitig vom Platz musste, war nicht so schlimm. „Ich habe nur zweimal einen Schlag auf den Knöchel bekommen.“
Viel größer als der Schmerz nämlich war die Freude, zumal sich der erste Wolfsburger Sieg seit dem 14. Januar (2:1 gegen St. Pauli) mit einem speziellen privaten Ereignis deckte. Wimmer nach dem Abpfiff: „Ich habe einen besonderen Tag mit meiner Frau.“ Seit exakt 400 Wochen, also 2800 Tagen, sei er mit seiner Partnerin Sarah, die er im vergangenen Jahr heiratete, liiert. Verwunderten Nachfragen, wie er ein solches „Jubiläum“ im Kopf haben könne, begegnete Wimmer mit entwaffnender Ehrlichkeit: „Ich habe auf dem Handy eine App, die mir das anzeigt.“
Auch bei den Haaren hat die Frau die Hand im Spiel
Doch nicht nur die private Freude, sondern auch das für jedermann sichtbare neue Outfit könnte der Grund für sein viertes Saisontor und den gelungenen Tag sein, glaubte der 24-Jährige. Zwei Tage vor der Partie hatte er sich zum Friseur begeben und sich die Haare nach längerer Zeit einmal wieder so kurz schneiden lassen, wie er sie zu sportlich glücklicheren Zeiten bei Arminia Bielefeld und in seiner ersten Wolfsburger Zeit schon getragen habe. „Heute kommt alles zusammen.“ Und wieder habe die Partnerin dabei die Hand im Spiel gehabt. „Die Frau hat das Machtwort. Wenn die Frau es sagt, dann habe ich das so zu machen.“
Haare hin – Haare her: So wie die Wolfsburger in Berlin aufgetreten sind, müssen sie aus ihrer Sicht auch in den letzten vier Punktspielen der Saison agieren, um die Klasse zu halten oder zumindest erst einmal zwei weitere Spiele in der Relegation zu erreichen. Der Trend stimmt für Wimmer seit geraumer Zeit, auch wenn es erst jetzt zum „Dreier“ reichte. „Die letzten Spiele waren nicht die schlechtesten, aber wir haben uns nicht belohnt.“ Doch nun sei man wieder bis auf zwei Punkte an den schärfsten Konkurrenten auf Platz 16 herangerückt. „Wir haben alles in der eigenen Hand. Das Wichtigste ist, dass St. Pauli in Schlagdistanz ist.“ Schließlich kommt es am letzten Spieltag am Millerntor zum Showdown der beiden Klubs.
Nun aber wartet erst einmal das Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach . „Die sind auf jeden Fall auch schlagbar“, so Patrick Wimmer mit neuem Selbstvertrauen. „Da müssen wir die gleiche Energie auf den Platz bringen.“ Und, wenn möglich, weiter daran arbeiten, den Albtraum Abstieg zu beenden. „Wenn die anderen Ergebnisse passen, können wir St. Pauli überholen.“ Für die Hamburger geht es parallel nach Heidenheim.

