Nach 14 Monaten: Weiser unmittelbar vor der Rückkehr

Der Sieg über Leipzig hat Werder Bremen beflügelt – eine erfreuliche Nachricht tut dabei ihr Übriges: Nach quälend langen Monaten befindet sich Mitchell Weiser auf der Zielgeraden und könnte schon in seiner Heimat das Kader-Comeback feiern.

Lynen weiter außen vor – Reis und Regeer vor der Abwehr

Das 3:1 gegen RB Leipzig als bärenstarke Antwort auf das 1:4 zum Bundesliga-Start in Freiburg – das stimmte Werder-Coach Daniel Thioune auch Tage danach noch froh. Gerade weil sein Team durch den ersten Dreier, der neben dem Ergebnis vor allem durch die gezeigte Leidenschaft Eindruck gemacht hatte, auch sportlich auf die kritischen Stimmen rund um das Sommertransferfenster mitsamt den Verletzungen reagiert hatte.

„Alle hatten ein gutes Gefühl am letzten Wochenende, das wollen wir uns erhalten“, holte der Trainer am Donnerstag auf der Pressekonferenz vor dem samstäglichen Abendspiel beim 1. FC Köln (18.30 Uhr, LIVE! bei kicker) aus, um zu ergänzen: „Ich glaube, wir sind außen mit diesem Auftritt auch sehr positiv wahrgenommen worden. Wir haben viel Lob bekommen für die Vorstellung.“ Das sei zugleich auch ein Auftrag für die Zukunft.

Die spielerische Grauzone ist das Ziel

Auch bezogen auf die zuletzt gezeigte statistische Basis mit stolzen 125 gelaufenen Kilometern und 56 Prozent gewonnenen Zweikämpfen – das alles bei nur 29 Prozent Ballbesitz. Thiounes Folgerung daraus: „Ich bin davon überzeugt, dass Leidensfähigkeit ein Schlüssel ist. Aber natürlich werde ich auf Dauer den Ballbesitz erhöhen wollen. Wir wollen deutlich besser Fußball spielen.“

Dafür gebe es viele Ideen und ansprechende Ansätze bei den Spielern. Alles am Ende erklärbar für Thioune – etwa auch, dass viele seiner Schützlinge keine richtige Vorbereitung hatten und direkt Neuzugänge in der Startelf standen: „Wir haben als Mannschaft aber ein Statement gesetzt und können an diese Mannschaft eine Erwartungshaltung richten. Das nehme ich als Basis.“ Gerade nach Freiburg: „Offensichtlich war die Intensität dort nicht hoch.“

„Wir wollen diese beiden Spiele aber jetzt auch nicht so färben, dass das eine bodenlos war und wir uns mit dem anderen in den Olymp gespielt haben“, zeichnete Thioune dafür noch ein passendes Bild. „Wir haben beides realistisch eingeschätzt. Dazwischen gibt es auch einfach eine Grauzone, in der wollen wir uns bewegen. Wir werden jede Woche nicht überperformen können, aber in jedem Fall besser agieren als in Freiburg.“

Weiser-Fan Thioune

Da kommt es gerade recht, dass sich Unterschiedsspieler Mitchell Weiser nach 14 (!) Monaten auf den letzten Metern seiner langen Rehaphase im Zuge des im letzten Jahr erlittenen Kreuzbandrisses befindet und vor dem Comeback im SVW-Kader steht. Diesbezüglich hatte Thioune mit seinem Trainerteam ursprünglich bis nach der Länderspielpause warten wollen, nun erscheint der nahe Köln in Troisdorf zur Welt gekommene Antreiber schon beim „Effzeh“ als Alternative.

„Es ist nicht ausgeschlossen, dass er eine Option für Köln sein kann“, so Thioune. „Wir haben in dieser Woche weitere gute Eindrücke gewinnen können. Und ich bin ja auch schon aus der Entfernung großer Mitch-Fan gewesen mit seiner Intensität und seiner Dynamik. Ich will deswegen nichts ausschließen, auch wenn er natürlich nicht als Starter zur Verfügung steht. Für ihn geht es erst einmal darum, dass er wieder gesund und eine Kaderoption ist.“ Er wisse deswegen gerade mit der famililären Verbundenheit Weisers zu Köln nicht, „ob er das für sein Seelenglück braucht. Aber klar hat er eine enge Verbindung dorthin.“ Er gehe das Ganze als Trainer aber rational an.

Und diesbezüglich wisse Thioune, dass Weiser selbst nach so langer Auszeit eine Bereicherung in Sachen spielerischer Qualität darstellt: „Er ist jetzt 32 Jahre und hat noch ein paar Jahre vor sich. Er hat hart gearbeitet in der Reha, vielleicht kommt er deswegen sogar noch besser als davor zurück. Wir werden sehen – und wir werden ihm auch die Zeit geben, dass er auch mal eine schwächere Leistung haben darf. Aber das, was ich im Training jetzt sehe, ist vielversprechend.“

Sicher nicht mit dabei ist dagegen Senne Lynen, dem weiterhin das Becken zu schaffen macht. Schon gegen Leipzig hatte Thioune deswegen die beiden Sommerneuzugänge Ludovit Reis und Youri Regeer als den schlauen Sofortersatz von Jens Stage vor der Abwehr aufgeboten.

Dass ihm Lynen dabei leid tue, daraus machte Thioune keinen Hehl: „Er hat sich seinen Stammplatz lange Zeit hart erarbeitet. Es hat aber letztendlich keinen Sinn gemacht. Wir müssen ihn jetzt erst einmal wieder aufbauen, er hat nun einmal diese Beckenproblematik und kommt nicht an 100 Prozent. Wenn man nicht an 100 Prozent kommt, dann ist man nicht leistungsfähig.“ Er begrüße aber die ihm nun gebotenen Alternativen und schätze die Lage zudem so ein, dass ihm vielleicht die anstehende Länderspielpause als „eine Art Mini-Vorbereitung“ helfen würde, sich wieder vollends in den Kader zu integrieren. Das gelte auch für Spieler wie Felix Agu.

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