Als erster Bundesliga-Profi seit 1996 bekam Harry Kane am Montag den Ballon d’Or überreicht. Doch ein anderer Top-Stürmer stellt den Engländer aktuell in den Schatten: Niclas Füllkrug baute bei Bremens 2:0 gegen Hoffenheim nicht nur seine Torserie aus, sondern stellte zugleich einen besonderen Vereinsrekord ein.
Weiser muss zum MRT
Gleich die erste Frage bei DAZN, ob er denn am Montagabend ferngesehen habe, schien Niclas Füllkrug nach seiner nächsten Glanzleistung für wenige Augenblicke aus dem Konzept zu bringen. Bremens Top-Stürmer, gerade auf historische Weise Matchwinner bei Werders 2:0-Heimsieg gegen die TSG Hoffenheim, war kurz ratlos und antwortete, nachdem er begriffen hatte, dass es um die Bekanntgabe des Ballon-d’Or-Siegers ging, knapp, diese Veranstaltung nicht am Bildschirm verfolgt zu haben.
Gejubelt hatte bei der Gala in London in Harry Kane bekanntlich ein Bundesliga-Profi. Den Platz an der Spitze der Torjägerliste muss der Seriensieger der kicker-Torjägerkanone aktuell aber Füllkrug überlassen, der gegen Hoffenheim bereits sein neuntes Saisontor erzielte.
„Das fühle ich gar nicht so sehr“, gab Füllkrug im Hinblick auf seinen Vorsprung auf Kane & Co. zu. „Ich fühle jedes Spiel individuell, ich freue mich, dass es aktuell für uns so gut klappt als Mannschaft.“
Und in dieser ist Füllkrug aktuell einfach „unersetzlich“, wie Daniel Thioune bereits vor Anstoß des Hoffenheim-Spiels bei Sky eingeordnet hatte, „speziell als Persönlichkeit auf dem Platz. Er trifft gerade oft, das tut uns gut“, so Bremens Trainer, als hätte es den Treffer gegen Hoffenheim gar nicht mehr als Beweis gebraucht. Unnachahmlich setzte sich Füllkrug dabei erst im Laufduell durch, ehe er die Kugel unter die Latte nagelte.
„Da bin ich einfach ein bisschen mehr Risiko gegangen als sonst“
„Bei einem geraden Vollsprint ist es immer schwer, die Innenseite zu nehmen. Der Ball lag ganz gut für die kurze Ecke, da bin ich einfach ein bisschen mehr Risiko gegangen als sonst“, beschrieb der Matchwinner selbst sein weichenstellendes 1:0. Es war ein „absolut wichtiger Zeitpunkt für uns, wir brauchten das Tor“.
Dieses war nicht nur wegbereitend für den Heimsieg und womöglich weitere Diskussionen um eine Rückkehr in die Nationalmannschaft, sondern auch geschichtsträchtig. In sieben Bundesliga-Partien nacheinander zu treffen, schaffte im grün-weißen SVW-Trikot zuvor bislang nur Rudi Völler in der Saison 1982/83 – Rekord eingestellt.
Er sei natürlich glücklich, mit dem heutigen DFB-Sportdirektor gleichgezogen zu haben, doch „ich schieße die Tore nicht, um den Rekord zu brechen“, sagte Füllkrug demütig. Er empfinde es als Ehre, „für den Verein, der mir am Herzen liegt, einen Rekord innezuhaben, das ist etwas Besonderes für mich“.
Und wie Kane am Montag durfte auch Füllkrug am Samstagnachmittag als offizieller „Man of the Match“ eine persönliche Auszeichnung in Form eines Balles mit nach Hause nehmen – wenngleich dieser nicht ganz so golden schimmerte.
Wie schlimm hat es Weiser erwischt?
Für Füllkrugs Teamkollegen Mitchell Weiser wird die Partie trotz des Dreiers dagegen in unguter Erinnerung bleiben. Der 32-Jährige verletzte sich in der Anfangsphase und musste daher früh ausgewechselt werden. Später war zu sehen, wie Weisers rechter Oberschenkel von den medizinischen Betreuern dick einbandagiert wurde.
Auf der Pressekonferenz nach dem Spiel konnte Thioune noch keine genaue Diagnose nennen, er gehe aber von einer Muskelverletzung aus. Weiser „hatte auch Schmerzen, es zog direkt rein“, erläuterte der Coach. Ein MRT soll in den kommenden Tagen für Klarheit sorgen.

