Der Hamburger SV steht am kommenden Freitagabend gegen Mönchengladbach vor einem richtungsweisenden Heimspiel. Aber mit welchem Personal? Ein Thema, das die Protagonisten nicht zu groß machen möchten, überlagert dieser Tage tatsächlich alles.
Vor Keller-Duell braucht das Team einen Qualitätszuwachs
Die einheitliche Sprachregelung wurde auch am Sonntagabend nach dem 1:3 in Frankfurt wieder angewandt. „Das ist eine Situation, die wir annehmen müssen, wir werden niemals Ausreden suchen“, sagt Daniel Heuer Fernandes zur angespannten Personalsituation. „Es geht nicht darum, Ausreden zu suchen, wer alles fehlt“, erklärt auch Merlin Polzin. Und doch wird sichtbar: Es fehlen derzeit (zu) viele Profis und vor allem Eckpfeiler, um konkurrenzfähig zu sein.
Verletzungsflut beendet Zwischenhoch
Bei der Eintracht musste der Coach mit Sebastiaan Bornauw, Nicolas Capaldo, Nicolai Remberg, Bilal Nadir, Fabio Vieira und Yussuf Poulsen abermals sechs Spieler ersetzen, fünf von ihnen sind Teil der zentralen Achse, Nadir erwies sich zwischenzeitlich als ganz wichtiges „Ersatzteil“. Die Stabilität leidet darunter sichtbar, insbesondere in der Innenverteidigung, die Polzin beinahe dauerhaft verändern muss. Folglich räumt auch er ein: „Natürlich hilft es nicht, permanent umbauen zu müssen.“
Der Cheftrainer hat es, wie in der Vorsaison, in kurzer Zeit geschafft, eine neue Mannschaft zu vereinen, ehe mit dem Einsetzen der Verletzungsflut das Zwischenhoch beendet wurde. „Für unseren Fußball“, sagt er, „sind Verbindungen zwischen den Spielern wichtig.“ Er hatte diese sichtbar hergestellt und muss nun wieder neue schaffen. „Das ist gerade eine Herausforderung.“ Vor allem mit Blick auf die Qualität.
Shafiq Nandja gilt als großes Innenverteidigertalent, das in dieser Spielzeit behutsam herangeführt werden sollte. Auch um ihm Einsatzzeit und eine Perspektive zu geben, wurde kein weiterer zentraler Abwehrspieler verpflichtet. Offensichtlich aber ist: Der 19-Jährige ist naturgemäß noch nicht so weit, Woche für Woche auf Bundesliga-Niveau von Anfang an zu spielen. Erst recht nicht dann, wenn neben ihm immer wieder die Partner wechseln, und diese, wie in Frankfurt mit Jordan Torunarigha und Warmed Omari, selbst auf der Suche nach Stabilität sind.
Polzin sagt vor der am Dienstag beginnenden Trainingswoche: „Es ist unsere Aufgabe im Trainerteam, den Jungs Hilfen an die Hand zu geben, sowohl im individualtaktischen Bereich als auch beim Verhalten in bestimmten Situationen.“ Trotz dieser Ankündigung arbeiten das Trainer- und Athletik-Team fieberhaft daran, die Personalsituation vor dem anstehenden Richtungsweiser zu verbessern.
Fragezeichen hinter Capaldo, schwierige Prognose bei Poulsen
Abwehr-Chef Bornauw hatte am Wochenende immer noch über Kopf- und Kieferschmerzen geklagt, hat daher die Reise nach Hessen nicht mit angetreten. Freitagabend soll der Belgier wieder spielfähig sein. Rest-Hoffnung besteht auch bei Führungsspieler und Nebenmann Capaldo, den muskuläre Probleme plagen. „Ich hoffe, dass wir mit ihm ein Energielevel zurückbekommen“, sagt Polzin. Das Fragezeichen hinter dem Einsatz des Argentiniers aber erscheint dick.
Gleiches gilt für die Personalie Poulsen. Der Routinier hatte als Zielspieler, Anläufer und vor allem auch in der Rolle des Taktgebers überzeugt, war seit dem Sommer komplett beschwerdefrei. Seit seiner Auswechslung in Paderborn (0:1) vor einer Woche plagt er sich mit Hüftbeschwerden herum, wäre für das Hamburger Spiel trotz zweier Treffer von Terem Moffi in zwei Partien von immenser Bedeutung. Der Trainer aber bremst beim 32-Jährigen. „Schwierig“ sei eine Prognose. Das taugt auch ganz vortrefflich zur augenblicklichen Lagebeschreibung.

