„Nicht gerade hilfreich“: Damit kämpft Bayers Torlos-Stürmer Moreira

Er kam, um Leverkusens Angriff mehr Power zu verschaffen. Doch bislang kann Afonso Moreira für Bayer 04 nicht die erhofften Impulse in Form von Toren setzen. Der Portugiese wartet weiter auf seinen ersten Treffer – und setzt sich damit selbst zu stark unter Druck.

Ein innerer Zwang

Der Frust wächst von Minute zu Minute. Afonso Moreira ist bei Bayer 04 so etwas wie der Ritter von der traurigen Gestalt. Auch Anfang November wartet der 29,5 Millionen Euro teure Sommer-Einkauf noch immer auf sein erstes persönliches Erfolgserlebnis in einem Pflichtspiel für den Werksklub. Bislang steht nach 13 Einsätzen kein einziger Treffer für den Linksaußen zu Buche. Ein Fakt, der den 21-jährigen Portugiesen erkennbar nervt.

Daraus macht der schnelle Rechtsfuß nach der 2:4-Niederlage gegen den VfB Stuttgart auch keinen Hehl, bei der er in der zweiten Hälfte gleich dreimal aus guter Abschlussposition erfolglos geblieben war. Als VfB-Keeper Dennis Seimen in der 56. Minute seinen harten, aber nicht allzu platzierten Schuss aus etwa 18 Metern zur Ecke lenkte, trat der U-21-Nationalspieler sinnbildlich aus Enttäuschung den Rasen.

„Fußball bedeutet Emotionen, Fußball bedeutet Frustration, und manchmal kommt das eben zum Vorschein.“ (Afonso Moreira)

„Fußball bedeutet Emotionen, Fußball bedeutet Frustration, und manchmal kommt das eben zum Vorschein“, gab Moreira zu, „aber dass ich meine Frustration zeige, das zeigt einfach nur, dass ich ein Tor schießen wollte, dass ich der Mannschaft helfen will.“ Wobei dieses Wollen keinen Akt der Leichtigkeit darstellt für den Portugiesen, der nach einem Jahr bei Olympique Lyon in der Ligue 1 aktuell seine zweite Erstligasaison bestreitet. Vielmehr erweist sich sein Wille als innerer Zwang. Nicht umsonst sagt Moreira: „Man will einfach mehr, man will ein Tor schießen, man muss mehr Tore schießen.“

Muss – für einen Angreifer ein gefährlicher Gedanke, wenn er sich mit diesem zu stark selbst unter Druck setzt. Letzteren spürt Moreira offensichtlich. Nicht umsonst kamen bereits Mitte Oktober nach dem 4:0-Sieg in der Europa League bei Lech Posen seine Mitspieler nach dem Schlusspfiff direkt zu ihm, um ihn aufzumuntern, nachdem er gegen die Polen trotz einer Großchance erneut torlos geblieben war.

„Dieses Gefühl, dass man unbedingt ein Tor schießen will, ist nicht gerade hilfreich.“ (Afonso Moreira)

Die Erwartungen, die von außen an ihn gestellt werden, sieht Moreira nicht als Belastung. „Natürlich ist es immer ein bisschen Druck, für Leverkusen zu spielen und Fußball zu spielen. Aber man braucht diesen Druck. Dieser Druck ist gut. Ich mag den Druck“, sagt der Angreifer, der aber den eigenen Anspruch an sich selbst, also den Druck, den er sich selbst macht, als Hindernis einräumt. „Natürlich bin ich ein Spieler, der gerne Tore schießt, und manchmal ist dieses Gefühl, dass man unbedingt ein Tor schießen will, nicht gerade hilfreich“, gibt er zu, „manchmal ist das gerade der Fall.“

Moreiras Fleiß passt, das Verhältnis von Aufwand und Ertrag nicht

Mangelnden Fleiß kann man dem lauf- und defensivstarken Flügelstürmer wahrlich nicht vorwerfen. Wie hoch seine Qualitäten beziehungsweise sein Potenzial, Tore zu schießen und vorzubereiten, hingegen einzuschätzen sind, ist eine andere Frage. Auch drei Torvorlagen (je eine in Liga, Pokal und Europa League) sind bislang zu wenig. Aufwand und Ertrag stehen bislang weder für den einsatzfreudigen Angreifer noch für seinen Arbeitgeber in einem gesunden Verhältnis.

Moreira, der Raum benötigt, um seinen Speed mit seinem geradlinigen Spiel zur Wirkung zu bringen, möchte den Kopf oben behalten. „Ich versuche, mich nicht unterkriegen zu lassen und weiter Druck zu machen“, sagt er, „die Tore und Vorlagen werden sicher bald kommen.“ Wobei die Voraussetzungen zumindest in der Liga nicht wieder so günstig werden wie am Samstag gegen den defensiv doch einiges anbietenden VfB. Am Sonntag in Köln dürfte Bayer wieder auf einen kompakten Block treffen, den es auseinander zu spielen gilt. Was nicht gerade zu Moreiras Paradedisziplinen gehört.

An Marseille hat Moreira gute Erinnerungen

So wäre es definitiv hilfreich, wenn bereits zuvor am Donnerstag in der Europa League der Knoten platzt. Mit dem nächsten Gegner verbindet Moreira zumindest eine gute Erinnerung. Am 4. Oktober 2022 feierte der Angreifer, damals noch im Trikot von Sporting Lissabon, bei den Südfranzosen in der Youth League einen 6:0-Erfolg, bei dem er einen Treffer erzielte.

Ein ähnliches individuelles Erfolgserlebnis würde Moreira persönlich wahrscheinlich eminent helfen. Das sollte sich aber bald einstellen, sonst droht Bayer 04 nach zwei Niederlagen in der Liga bei dem bevorstehenden Derby in Köln ein kollektives Problem.

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