Seit dem Wiederaufstieg hatte sich der Hamburger SV monatelang als Bereicherung für die Bundesliga präsentiert, hielt sportlich mit, begeisterte zudem mit gelebter Energie im Volkspark. Das Nord-Derby in Bremen hingegen bedeutete einen massiven Rückschlag. In vielerlei Hinsicht. Auch deshalb meldete sich Sonntag Vorstand Eric Huwer zu Wort.
Aufarbeitung nach Derby-Pleite und Abwärtstrend
Eine 1:3-Niederlage an der Weser, die wieder Abstiegsgefahr bedeutet, drei Rote Karten (eine für Philip Otele, zwei für die Bank), dazu beschämendes Verhalten von Teilen der mitgereisten Hamburger – der HSV hat etliche Themen aufzuarbeiten und Huwer gestand am Tag nach der Pleite am Rande des Trainingsplatzes, dass die Spielzeit schon einfachere Phasen hatte: „Es war eine kurze Nacht.“
Die Vorfälle im Gästeblock, mit gezielten Raketenschüssen in Richtung der Bremer Fankurve, mit Vandalismus im sanitären Bereich verurteilt Huwer aufs Schärfste: „Da braucht man keine Wortklaubereien zu bemühen, sondern da wurde eine Grenze klar überschritten. Wir werden den Bremer Kollegen und Behörden behilflich sein, die Verursacher zu identifizieren.“
„Wir bekommen zu viele Elfmeter und zu viele Karten gegen uns“
Auch im sportlichen Bereich bedarf es einer Aufarbeitung. Bereits acht Platzverweise in der laufenden Spielzeit bedeuten in dieser Kategorie Ligaspitze, dazu „sammelt“ auch die Hamburger Bank Karten wie keine andere. „Wir bekommen zu viele Elfmeter und zu viele Karten gegen uns“, sagt der 42-Jährige, daran müssen wir arbeiten, damit wir resilienter und auch wieder unbequemer werden.“
Gegen die Ableitung, dass die Kartenflut Hinweise auf eine generelle Fehlentwicklung seien, wehrt sich Huwer indes: „Ich nehme grundsätzlich überhaupt keine Nervosität wahr, auch wenn ich diesen Eindruck nach der Ansicht der Szenen nach dem 1:3 zwischen den Bänken nachvollziehen kann.“ Er glaubt: „Es war im Stadion von der ersten Sekunde an hektisch, mit dem 1:3 sind dann die Emotionen hochgekocht. Das hängt auch mit der hohen Identifikation unserer Trainer und Staff-Mitglieder zusammen.“ Er ist sicher: „Wir wissen, was wir jetzt zu tun haben.“
Vier Spiele vor Saisonende liegt der HSV immer noch fünf Zähler vor dem Relegationsrang und sieben Punkte vor einem direkten Abstiegsplatz, die Tendenz aber ist besorgniserregend, die Personalsituation ebenfalls nicht zufriedenstellend: Auch gegen Hoffenheim droht mit Luka Vuskovic Hamburgs Mr. Unersetzlich auszufallen, Huwer aber sagt: „Es ist jetzt ein Rückschlag, den wir in dieser Saison schon häufiger erlebt haben. Entscheidend ist, wie groß unsere mentale Power ist, damit umzugehen und wieder aufzustehen. Diesbezüglich habe ich totales Vertrauen in die Gruppe.“ Hinzu kommt diese Einordnung: „Wir stehen fünf Punkte vor dem Relegationsplatz – das hätte ich vor der Saison für diesen Zeitpunkt unterschrieben.“

