Werder-Coach Daniel Thioune verrät, was man sich einfallen ließ, damit die Bremer Mannschaft diesmal in den „Derbymodus“ gekommen ist.
„Straßenkarneval“ in Bremen
Als Mann aus dem Norden wusste Daniel Thioune natürlich schon vorher, was dieses Spiel bedeuten würde: Ein Nordderby zwischen dem SV Werder Bremen und dem Hamburger SV, das ist etwas ganz Außergewöhnliches.
Dem ehemaligen HSV-Trainer (2020 bis 2021) war dieses Erlebnis seinerzeit qua der Ligazugehörigkeiten vorenthalten worden, nun erfuhr er es als Werder-Coach – und war in vielerlei Hinsicht beeindruckt: währenddessen und auch im Nachgang noch.
Einerseits war da die imposante Choreografie in der Ostkurve, zudem habe ihm Werders Teammanager am Tag nach dem 3:1-Derbysieg Aufnahmen aus dem Bremer Ausgehviertel gezeigt: „Das sah ja eher nach Straßenkarneval aus oder nach Silvester.“
Thioune ließ ein Video zusammenstellen
Dass man in der Bundesliga-Stadt solch „eine Dimension erreichen“ könne, „wenn wir ein Fußballspiel gewinnen“, so der Coach, „das war mir nicht bewusst“. Es war halt nicht irgendein Fußballspiel. Und das wiederum war Thioune ja schon vollkommen bewusst.
Unter der Woche hatte er zumindest öffentlich mehrfach die richtige, weil emotionalisierende Tonlage gefunden – und intern offensichtlich auch, um jene „gewisse Haltung“ bei seinen Spielern hervorzurufen, die es für dieses Duell schlicht braucht. In der Hinrunde hatte jener „Derbymodus“ bekanntlich gefehlt.
Thioune habe der Mannschaft explizit aufzeigen wollen, „was dieses Nordderby bedeutet, wie besonders es auch ist“ und dass es wichtig sei, diese Partie „zu verstehen“. Er ließ ein rund halbstündiges Video zusammenstellen, das die Historie, Tragik und auch persönliche Spielererlebnisse vereinte.
„Das hat was mit den Jungs gemacht“
Es ging um Erinnerungen wie den 17. Oktober 1982, als der Bremer Fan Adrain Maleika nach einem Angriff von HSV-Hooligangs verstarb; es ging um die vier Nordderbys innerhalb von 19 Tagen – und die berühmte Papierkugel. Aussagen von Werder-Ex-Profis wie Per Mertesacker, Naldo oder Torsten Frings waren ebenfalls in das Material eingebunden.
„Und das hat was mit den Jungs gemacht“, so Thioune: „Wir hatten ein breites Büffet – und mir war es wichtig, dass die Jungs von diesem Büffet einfach etwas runternehmen.“ Dazu richtete der gesperrte Werder-Kapitän Marco Friedl vor Anpfiff einen Appell an seine Mitspieler. Tags zuvor hatten bereits 1500 Fans das Abschlusstraining in ihrem Rahmen der Möglichkeiten unterstützend begleitet.
Welche jener Maßnahmen nun dafür ausschlaggebend waren, dass die Werder-Profis ab Minute eins der Partie am Samstagnachmittag so präsent waren wie lange nicht, bleibt offen – doch letztlich funktionierte es. Neben erwähnter Haltung sprach Thioune auch von „dieser Gier, dieser Leidenschaft“, die er bei seinem Team ausgemacht hatte.
„Überlebenswichtige“ Punkte für Werder
Neben dem Sieg, der laut dem Coach „überlebenswichtig“ war für die Bundesliga-Tabelle, soll das Nordderby-Erlebnis im Idealfall jetzt weitere „Energie freisetzen“. Die bedarf es allerdings auch, um die für den Klassenerhalt noch nötigen Punkte einzufahren.
Dass das Restprogramm anspruchsvoll (Stuttgart, Augsburg, Hoffenheim, Dortmund) und die Situation im Tabellenkeller (Platz 15) angespannt bleibt, weiß auch Werder-Verteidiger Amos Pieper: „Es ist noch nicht der Moment, um uns auf die Schulter zu klopfen.“

